Anschlag in Afghanistan Auswärtiges Amt bestätigt Tod eines Deutschen in Kabul

Mindestens ein Deutscher starb bei einem Anschlag auf eine Schule im afghanischen Kabul. Das bestätigte das Auswärtige Amt in Berlin. Bei dem Selbstmordattentat wurden 20 Menschen getötet.

Afghanische Sicherheitskräfte am Tatort: Terror in einer Schule
AFP

Afghanische Sicherheitskräfte am Tatort: Terror in einer Schule


Kabul - Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Schulveranstaltung in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist ein Deutscher ums Leben gekommen. Das bestätigte das Auswärtige Amt in Berlin. Der Mann habe für eine afghanische Nicht-Regierungsorganisation gearbeitet. 20 weitere Menschen wurden bei der Attacke verletzt, einige von ihnen laut dem örtlichen Polizeichef Abdul Rahman schwer.

Zuvor hatte unter anderem das französische Außenministerium mehrere Tote bei dem Angriff gemeldet. Das afghanische Innenministerium und Polizeichef Rahimi sagten SPIEGEL ONLINE, dass ein deutscher Mann ums Leben gekommen sei - eine offizielle Bestätigung gab es zunächst jedoch nicht.

Der Polizei zufolge sprengte sich bei dem Angriff ein 15 oder 16 Jahre alter Jugendlicher in der Schulaula in die Luft. "Er hatte sich unter die Zuschauer einer Theateraufführung gemischt", sagte Polizeichef Rahimi. Den Sprengstoff hatte er demnach in seiner Unterwäsche versteckt. In dem Gebäude befindet sich das französische Kulturzentrum, zum Zeitpunkt des Anschlags wurde dort ein Theaterstück mit dem Titel "Herzschlag und Stille nach der Explosion" aufgeführt - es richtet sich gegen Selbstmordanschläge.

Eine "barbarische Tat"

Die Schule gehört zu den angesehensten des Landes und befindet sich im Zentrum von Kabul, nicht weit von Präsidentenpalast und Außenministerium entfernt. Auf dem Areal befindet sich auch eine Istiklal-Oberschule, eine von Frankreich finanzierten Einrichtung, in der seit Jahrzehnten afghanische Kinder unterrichtet werden.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande bezeichnete den Anschlag als abscheulich. Indem die Terroristen diesen Ort des Dialogs zur Zielscheibe nähmen, hätten sie Kultur und Kreativität im Visier, hieß es in einer Erklärung des Élysée-Palastes. Der französische Außenminister Laurent Fabius verurteilte den Terrorakt als "barbarische Tat".

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: "Der Anschlag ist besonders perfide, weil er in einem Kulturinstitut erfolgte, wo Afghanen und Helfer der internationalen Gemeinschaft zu freundschaftlichem Austausch zusammenkommen", erklärte er.

In Afghanistan sind seit 2001 immer wieder Deutsche gewaltsam ums Leben gekommen. Im vergangenen April war die deutsche Fotografin Anja Niedringhaus bei einem Attentat erschossen worden, als sie im Osten des Landes über die Präsidentenwahl berichtete. Im Mai 2013 war ein deutscher Soldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) von Taliban-Kämpfern im Norden des Landes getötet worden.

Vor allem in der afghanischen Hauptstadt kommt es regelmäßig zu Terroranschlägen: Erst am Morgen hatte sich in der Nähe ein Selbstmordattentäter der islamistischen Taliban in die Luft gesprengt und mindestens sechs afghanische Soldaten getötet. Ein Sprecher der Taliban übernahm in einer Erklärung die Verantwortung für den Angriff.

isa/mxw/otr/dpa/AP/AFP/Reuters; Mitarbeit: Shoib Najafizada

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