Afghanistan Die ersten deutschen Soldaten laufen Streife

Mit fast einwöchiger Verzögerung sind die restlichen Soldaten des deutschen Vorauskommandos heute in Afghanistan gelandet. Inzwischen patrouillieren die Bundeswehrsoldaten bereits mit einheimischen Polizisten durch Kabul.


Feuer für den afghanischen Kollegen: Seit Montag patrouillieren Deutsche und Einheimische gemeinsam durch Kabul
DPA

Feuer für den afghanischen Kollegen: Seit Montag patrouillieren Deutsche und Einheimische gemeinsam durch Kabul

Kabul - Der deutsche Kommandeur General Carl Hubertus von Butler und der Chef des 4. Polizeibezirks von Kabul schickten die Bundeswehrsoldaten und die afghanischen Ordnungshüter gemeinsam auf Streife. Die deutschen Mitglieder der Afghanistan-Schutztruppe ISAF patrouillierten in Kampfanzügen mit dunkelroten Baretten durch die Kabuler Straßen. Die afghanischen Polizisten tragen weiße Helme. Sie wurden von zahlreichen Kindern umringt. Einige Kabuler begrüßten sie mit Applaus und bestreuten sie mit Konfetti.

Neben den Patrouillen haben die Soldaten in Kabul die Aufgabe, die Ankunft des deutschen Hauptkontingents vorzubereiten. Dessen Verlegung soll noch im Januar stattfinden. Die ISAF wird in Kabul und der näheren Umgebung eingesetzt, um die Sicherheit der Hauptstadt und der Übergangsregierung zu sichern.

Die letzten 40 Soldaten des Bundeswehr-Vorauskommandos landeten in Bagram, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin mit. Damit ist der erste Teil des deutschen Kommandos in der afghanischen Hauptstadt Kabul komplett. Die Soldaten hatten in Trabzon in der Türkei festgesessen, weil die niederländischen Transportmaschinen vereist im Iran standen und nicht starten konnten. Nur 30 der 70 deutschen Soldaten waren vorher nach Kabul gebracht worden. Das Hauptkontingent von 800 bis 1000 Soldaten soll nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin voraussichtlich bis Ende Januar in Marsch gesetzt werden.

Im Osten des Landes tobt noch immer der Krieg gegen versprengte Einheiten der Taliban und der al-Qaida. Die US-Luftwaffe bombardiere mit großer Intensität die Höhlensysteme im Shauar-Gebiet an der Grenze zu Pakistan, meldete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP heute. In den vorangegangenen 48 Stunden habe es keine Pause gegeben.

Ein Sprecher der US-Streitkräfte sagte, in der Gegend sammelten sich die Taliban- und al-Qaida-Kämpfer, die nach Pakistan fliehen wollten. Das Höhlensystem biete offenbar die Infrastruktur dafür. Diese solle jetzt unbrauchbar gemacht werden. Seit vergangener Woche halten sich auch US-Bodentruppen in der Gegend auf. AIP zufolge sind die Soldaten jedoch noch nicht in die Höhlen vorgerückt. Das Gebiet um Shauar ist bereits seit Tagen Ziel von Angriffen der US-Luftwaffe.



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