Neue Afghanistan-Strategie Die Nato lobt Trump, die Taliban höhnen

"Wir werden angreifen": Donald Trump will den Kampf in Afghanistan intensivieren. Verbündete begrüßten die Ankündigung des US-Präsidenten. Die Taliban kündigten die Fortsetzung des "Heiligen Kriegs" an.
US-Soldat in Afghanistan

US-Soldat in Afghanistan

Foto: Rahmat Gul/AP

Früher kritisierte Donald Trump den US-Einsatz in Afghanistan, jetzt will er davon nichts mehr wissen. Stattdessen kündigte der Präsident am Montag seine neue Strategie für den Krisenstaat am Hindukusch an. Denn ein übereilter Abzug der amerikanischen Truppen würde ein "Vakuum" für "Terroristen" hinterlassen, sagte er. "Wir werden angreifen", kündigte er an.

Verbündete der USA begrüßten die Ankündigungen. Die Nato stehe weiter uneingeschränkt zu Afghanistan, sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg. Es bleibe das Ziel des Bündnisses, dass das Land nie wieder ein sicherer Rückzugsort für Terroristen werde, die Alliierte oder deren Partner angreifen wollten.

Stoltenberg erinnerte zugleich daran, dass der Afghanistan-Einsatz der Nato gestartet worden war, um die USA nach den Anschlägen im September 2001 im Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen. In den vergangenen Wochen hätten sich schon mehr als 15 Länder dazu bereit erklärt, die Zahl ihrer Truppen für den Einsatz noch einmal aufzustocken. Nach Angaben der Nato sind derzeit rund 12.400 Soldaten im Einsatz, um afghanische Sicherheitskräfte auszubilden und zu beraten.

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Er werde nun mit US-Verteidigungsminister James Mattis und den anderen internationalen Partnern klären, wie es weitergehe, sagte Stoltenberg. Mattis deutete eine US-Truppenverstärkung indirekt an, indem er in einer Erklärung sagte, mehrere Verbündete hätten sich "ebenfalls" zur Erhöhung ihrer Truppenstärke bekannt.

Auch der afghanische Staatschef Ashraf Ghani begrüßte die Entscheidung von Trump. Dessen Ankündigung sei ein Beleg für das "fortdauernde Engagement" der USA als einer der wichtigsten Partner in dem Konflikt, schrieb Ghani in den sozialen Medien.

Ganz anders reagierten natürlich die Taliban. Solange auch nur ein US-Soldat im Land sei, würden die Extremisten ihren "Dschihad mit Entschlossenheit" fortsetzen, drohte ihr Sprecher Sabiullah Mudschahid in einer E-Mail an Medien. "Wir werden ihnen (den Soldaten) Angst machen und ihrer Regierung die Realitäten in diesem Land zeigen." Die Taliban seien nicht kampfesmüde. Sollten die USA nicht abziehen, werde Afghanistan zu ihrem Friedhof werden.

Massive Kritik kam von den Grünen. Sie befürchten nun eine weitere Eskalation am Hindukusch. "Trumps Rede ist fatal für die Lage in Afghanistan", sagte Omid Nouripour, der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, der Deutschen Presse-Agentur. Wenn Trump "Angriff" sage, sei eine brachiale "Hau-drauf-Strategie" zu erwarten, etwa mit einem erneuten Einsatz der "Mutter aller Bomben".

Die USA hatten im vergangenen April eine mutmaßliche Kommandozentrale der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) mit einer Riesenbombe vom Typ GBU-43 angegriffen. In den vergangenen Jahren seien die zahlreichen zivilen Opfer in Afghanistan "eines der Haupthindernisse für die Schaffung von Vertrauen in die Staatlichkeit und für Sicherheit" gewesen, sagte Nouripour.

China nimmt Pakistan in Schutz

Russland äußerte sich ebenfalls skeptisch. Man gehe nicht davon aus, dass Trumps Ankündigungen zu signifikanten Änderungen in Afghanistan führten, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax eine namentlich nicht genannte Quelle aus dem Außenministerium.

Auch China kommentierte Trumps Ankündigungen - und nahm Pakistan in Schutz. Der US-Präsident hatte dem Nachbarland Afghanistans vorgeworfen, es sei ein Rückzugsraum für die Taliban und Terrororganisationen. Pakistan kämpfe an vorderster Front gegen den Terrorismus und habe dabei große Opfer und Beiträge geleistet, sagte Außenamtssprecherin Hua Chunying am Dienstag vor Journalisten in Peking. Die internationale Gemeinschaft solle dies anerkennen.

China würde es begrüßen, wenn Pakistan und die USA ihre Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror auf der Grundlage gegenseitigen Respekts führten und zusammenarbeiten würden, um Sicherheit und Stabilität in der Region und der ganzen Welt zu fördern.

als/dpa/Reuters/AFP
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