Afghanistan Dutzende Tote bei blutiger Taliban-Offensive

Es ist eine der größten und blutigsten Offensiven der Taliban seit Ende ihrer Herrschaft: Hunderte radikal-islamische Kämpfer haben sich im Süden Afghanistans heftige Gefechte mit afghanischen und internationalen Streitkräften geliefert. Mindestens 70 Menschen starben.


Kandahar - Sie kamen im Schutz der Dunkelheit: Zu Hunderten griffen die Kämpfer der Taliban gestern Nacht die Stadt Mosa Kala in der Provinz Hemland im Süden Afghanistans an. Neun Stunden lang lieferten sich die Rebellen mit Sicherheitskräften bis in die frühen Morgenstunden die schwersten Kämpfe seit dem Sturz ihrer radikal-islamischen Bewegung. Bei dem Angriff kamen nach Regierungsangaben 40 Taliban-Kämpfer und 13 Polizisten ums Leben. Ein Sprecher der Taliban sagte, 30 Sicherheitskräfte seien getötet worden. Auch in der Nachbarprovinz Kandahar kam es zu heftigen Gefechten. Hier starben nach offiziellen Angaben eine kanadische Soldatin der internationalen Schutztruppe (Isaf) und 18 Taliban-Rebellen.

Anschlag in Herat: Ein US-amerikanischer Polizeiausbilder ist dabei gestorben
REUTERS

Anschlag in Herat: Ein US-amerikanischer Polizeiausbilder ist dabei gestorben

Der Vize-Gouverneur der Provinz Helmand sagte, der Angriff auf Mosa Kala sei der größte in der Provinz seit dem Ende der Taliban-Herrschaft 2001 gewesen. Nach Angaben des Innenministeriums waren in Mosa Kala keine ausländischen Soldaten in die Gefechte verwickelt. In der Provinz Helmand hat Großbritannien das Kommando zur Friedenssicherung im Auftrag der Nato-Friedenstruppe Isaf.

Die Kanadierin starb nur wenige Stunden vor der Abstimmung im kanadischen Parlament über eine Verlängerung des Agfhanistan-Einsatzes. Trotz ernsthafter Bedenken von Seiten zahlreicher Oppositionspolitiker stimmten die Abgeordneten mit einer knappen Mehrheit von 149 zu 145 für den Antrag auf zweijährige Verlängerung des Einsatzes. Die Taliban-Kämpfer hatten in den vergangenen Monaten ihre Angriffe auf Truppen der Regierung und ausländische Soldaten intensiviert. In Kandahar sind derzeit 2200 kanadische Soldaten als Teil der US-geführten Koalitionstruppen stationiert. Die USA wollen die Zahl der Koalitionssoldaten im Süden Afghanistans abbauen, dafür soll die ISAF dort mehr Verantwortung übernehmen.

In Herat im Westen des Landes riss zudem ein Selbstmordattentäter einen ausländischen Soldaten mit in den Tod. Über die Nationalität des Opfers gab es unterschiedliche Angaben. Die örtliche Polizei hatte zunächst mitgeteilt, ein italienischer Soldat der Isaf sei bei dem Anschlag gestorben. Inzwischen bestätigte jedoch die US-Botschaft, dass es sich um einen US-amerikanischen Polizeiausbilder handelt. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Bei einem weiteren Selbstmordanschlag nahe der Stadt Ghazni, 125 Kilometer südlich von Kabul, starben der Attentäter und ein Zivilist. Der Anschlag hatte einem US-Militärkonvoi gegolten.

phw/AP/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.