Afghanistan Dutzende zivile Opfer durch Luftangriffe

Bei einem Luftangriff der Koalitionstruppen in der Region Helmand sind über 70 Zivilpersonen getötet worden sein, darunter auch Kinder und Frauen. Auch 35 mutmaßliche Aufständische sollen umgekommen sein. Erst kürzlich hatte Präsident Karzai die Nato zu mehr Sorgfalt aufgerufen.


Kabul - Bei Luftangriffen der US-geführten Koalitionstruppen in Südafghanistan sind nach Angaben eines Lokalpolitikers bis zu 70 Zivilpersonen getötet worden. Auch 35 mutmaßliche Aufständische seien ums Leben gekommen, sagte am Samstag der Bürgermeister der umkämpften Ortschaft Hyderabad, Dur Ali Schah. Die alliierten Truppen räumten zivile Opfer ein, nannten aber keine Zahlen. Aus westlichen Militärkreisen verlautete, es seien etwa acht Zivilpersonen getötet worden.

Die Luftangriffe in der Provinz Helmand am Freitagabend galten nach US-Angaben mutmaßlichen Taliban-Kämpfern, die afghanische und ausländische Soldaten angegriffen hatten. Die Kämpfer flüchteten sich dann in das Dorf Hyderabad, wie der örtliche Polizeichef erklärte. Die Dorfbewohner hätten am Samstag "viele Tote" beerdigt, sagte ein Einwohner.

Koalitionssprecher Chris Belcher erklärte, die Truppen hätten allem Anschein nach eindeutig auf Positionen gezielt, von denen aus Angriffe gestartet worden seien. An solchen Orten seien jedoch auch Leichen von Menschen gefunden worden, bei denen es sich offenbar um Zivilisten gehandelt habe. Belcher warf den Extremisten vor, sich unter den Dorfbewohner versteckt zu haben.

Kämpfe haben in Afghanistan nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP seit Jahresbeginn mehr als 2.800 Menschen das Leben gekostet. Nach Angaben der Vereinten Nationen und Menschenrechtsgruppen liegt die Zahl der zivilen Opfer bisher höher als die getöteter Aufständischer.

In der südlichen Provinz Sabul wurden am Freitag drei Kinder beim Spielen mit einer alten Rakete getötet. Ein weiteres Kind wurde nach Polizeiangaben verletzt. Raketenangriffen in der Provinz Kunar fielen nach Behördenangaben fünf Zivilpersonen zum Opfer, darunter Frauen und Kinder. In der Provinz Kandahar kamen zwei mutmaßliche Taliban-Rebellen ums Leben, als sie am Freitag versuchten, an einer Hauptstraße eine Bombe zu legen. Bei Kämpfen in der Provinz Helmand wurden Behördenangaben zufolge 15 Taliban getötet.

van/yas/AP/AFP



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