Afghanistan-Einsatz Verteidigungsminister will mehr Härte gegen Taliban

"Wer uns angreift, wird bekämpft": Nach dem Tod von drei deutschen Soldaten in Afghanistan kündigt Verteidigungsminister Jung ein härteres Vorgehen an, spricht über eine mögliche Verstärkung mit Reservetruppen. Nur von einem "Krieg" mag er nicht reden - und erntet dafür Kritik.


Berlin - Der Tod von drei weiteren deutschen Soldaten bei Gefechten in Afghanistan befeuert die Debatte über den Einsatz der Bundeswehr. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) kündigte eine härtere Gangart der Streitkräfte in der Region an. "Wer uns angreift, der wird auch bekämpft. Die Bundeswehr hat dafür die notwendigen Antworten", sagte Jung am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin. Die Truppe habe für die Kämpfe "auch die notwendigen Reserven, hier Verstärkung vorzunehmen".

Bundeswehrsoldaten in Nordafghanistan: "Gefechte sehr gut bestanden"
DDP

Bundeswehrsoldaten in Nordafghanistan: "Gefechte sehr gut bestanden"

Bei einem Unfall während eines Feuergefechts waren am Dienstag drei deutsche Soldaten in der Nähe von Kunduz getötet worden. Nach Angaben der Bundeswehr wurden sie auf einer Patrouillenfahrt angegriffen. Die Soldaten ertranken demnach, nachdem ihr "Fuchs"-Transportpanzer bei einem Ausweichmanöver in einen Wassergraben gestürzt war und sich überschlagen hatte. Die Zahl der in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten stieg damit auf 35.

"Wir haben auch die Gefechte in letzter Zeit sehr gut bestanden. Und das wird auch in Zukunft so sein", sagte Jung weiter. Die Zunahme der Angriffe stehe offenbar in Zusammenhang mit der afghanischen Präsidentschaftswahl am 20. August, richte sich aber auch an die Öffentlichkeit in Deutschland. "Wir müssen hier Sicherheit herstellen, um genau in diesem Raum um Kunduz herum weiter Wiederaufbau und Entwicklung voranzutreiben."

Jung verwies auf ein Gespräch, das er kürzlich mit Stammesältesten in Kunduz geführt habe. "Die haben mir noch einmal deutlich signalisiert: Wenn die Menschen spüren, dass etwas für sie vorangeht, dann distanzieren sie sich sehr deutlich von derartigen terroristischen Aktivitäten der Taliban und stehen an unserer Seite."

Jung stellte zugleich klar, dass sich die Bundeswehr in Afghanistan nach seiner Auffassung nicht in einem Krieg befinde. "Wir sind dort keine Besatzer, sondern wir sind da, um die Sicherheit auch der Bundesrepublik Deutschland zu festigen und zu wahren, indem wir dort dem Terrorismus entgegentreten."

Angesichts der immer häufigeren Gefechte beschreiben allerdings viele Bundeswehrsoldaten inzwischen die Lage in Afghanistan als einen "Krieg". Der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe warnte vor einer Verharmlosung der Lage in dem Land. Wenn die Soldaten selbst davon sprächen, dass sie sich im Krieg befänden, könne er dem nicht widersprechen, sagte Robbe am Mittwoch in der ARD.

Man müsse die Dinge deutlich auf den Punkt bringen. "Jeder, der versucht, da darum herumzureden, suggeriert zumindest gegenüber den Soldaten, dass er etwas verharmlost oder dass er etwas kleinredet", warnte Robbe. Ein Sparkurs bei der Ausrüstung der Soldaten wäre "absolut fahrlässig", sagte Robbe der "Bild"-Zeitung. "Denn wir sehen ganz deutlich: Die Taliban haben massiv aufgerüstet."

Unterdessen töteten afghanische Soldaten 23 Taliban-Rebellen. Bei dem Einsatz in der Provinz Urusgan sei auch ein Taliban-Kommandeur getötet worden, sagte ein Armeesprecher am Mittwoch. Die Truppen seien von Isaf- Kampfflugzeugen unterstützt worden, hieß es weiter.

amz/dpa/AP

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