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31. Januar 2006, 14:38 Uhr

Afghanistan

Ex-Minister hält Milliarden-Hilfe für nutzlos

Zu Beginn der internationalen Afghanistan-Konferenz in London hat sich ein ehemaliger Minister des Landes mit deutlicher Kritik an der Vergabepraxis der Hilfsgelder zu Wort gemeldet. Die Milliarden Dollar hätten das Leben der Menschen kaum verbessert.

Kabul - "Wir sehen nicht den geringsten Fortschritt", sagte Ex-Planungsminister Ramasan Baschardost heute zu Beginn der Geberkonferenz in London. Er forderte deshalb einen einschneidenden Personalwechsel in der Regierung und bei Hilfsorganisationen. "Alle Minister und wichtigen Regierungsmitarbeiter haben ihre Legitimation verloren", erklärte er.

Baschardost war 2004 im Streit um Korruption bei nichtstaatlichen Organisationen (NGO) zurückgetreten. Er hatte fast 2000 NGO schließen wollen, weil sie nach seiner Ansicht den Menschen nicht halfen und gegen Gesetze verstießen. Im September wurde er mit einem der besten Ergebnisse ins Parlament gewählt.

Der britische Premier Tony Blair warnte zur Eröffnung der Konferenz, Afghanistan bleibe vom Terrorismus bedroht. Die internationale Gemeinschaft müsse das Land deshalb weiterhin unterstützen - für das Wohlergehen des afghanischen Volkes, aber auch zur Sicherung von Demokratie und Freiheit in der restlichen Welt.

An der zweitägigen Konferenz nehmen auch der afghanische Präsident Hamid Karsai, Uno-Generalsekretär Kofi Annan und US-Außenministerin Condoleezza Rice teil. Deutschland wird von Außenminister Frank-Walter Steinmeier vertreten. Die Geberländer wollen einen Aktionsplan für die kommenden fünf Jahre verabschieden. Er soll unter anderem die Achtung der Menschenrechte und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes sichern.

Auf der Konferenz soll es auch um die Art der weiteren Unterstützung für Afghanistan gehen. Die Regierung fordert für sich mehr Kontrolle über die Verteilung der internationalen Hilfe. Seit 2002 hat Afghanistan 11,9 Milliarden Dollar an Hilfen erhalten.

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