Afghanistan Fällt Masar-i-Scharif in die Hand der Nordallianz?

Die USA bereiten sich offenbar auf eine neue Angriffsphase vor. Die Gerüchte über einen Einsatz von Bodentruppen verdichten sich. Die Nordallianz steht nach eigenen Angaben kurz vor der Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Masar-i-Scharif.


Brennendes Treibstofflager in Kabul
REUTERS

Brennendes Treibstofflager in Kabul

Washington - Ziel der jüngsten US-Angriffe war neben Kabul die Taliban-Hochburg Kandahar. Die Kampfjets hätten Munitionsdepots, Ausbildungslager und Fahrzeugparks getroffen, sagte US-Admiral John Stuffleben. Die Gegenwehr der Taliban habe sich erheblich abgeschwächt. Die US-Einsätze hätten alle afghanischen Luftabwehreinrichtungen zerstört.

Die Nachrichtenagentur AIP berichtete, bei den Angriffen auf Kandahar seien am Mittwoch sieben Menschen getötet worden. In den vergangenen zwei Tagen seien insgesamt 47 Zivilisten ums Leben gekommen.

Derweil bereiteten die USA offenbar eine neue Phase der Militäraktion vor. Aus dem Pentagon verlautete, Sondereinsatzkommandos und Kampfhubschrauber seien auf den Flugzeugträger "Kitty Hawk" im Indischen Ozean verlegt worden. Die Sondereinheiten seien für Spezialeinsätze bereit, hieß es weiter.

700 Kämpfer der afghanischen Taliban-Miliz sind nach Angaben der Nordallianz zu der Oppositionsgruppe übergelaufen. Die Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Masar-i-Scharif stehe damit kurz bevor, sagte ein Militärsprecher der Nordallianz am Mittwoch der iranischen Nachrichtenagentur IRNA. Die oppositionellen Kämpfer stünden nur noch zwei Kilometer von der Stadt im Norden des Landes entfernt, die von den Taliban kontrolliert wird. Die Soldaten hätten einen zehn Kilometer südwestlich gelegenen Militärflughafen eingenommen.

Die USA wollen bisher nicht gezielt zu Gunsten der Nordallianz in die dortigen Kämpfe eingegriffen haben. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass sich die Ziele der USA und der Taliban-Opposition überschneiden, Admiral Stuffleben.

Der Taliban-Geheimdienstchef Qari Ahmedullah wies Berichte zurück, dass Masar-i-Scharif in der Region Balkh bald fallen würde. "Wir können problemlos Balkh kontrollieren", sagte Ahmedullah. Die USA könnten mit Bodentruppen oder von Usbekistan aus angreifen. "In beiden Fällen sind wir bereit". 1000 zusätzliche Taliban-Soldaten seien nach Masar-i-Scharif verlegt worden.

Talibanführer Mullah Omar drohte den USA mit einem erbitterten Kampf bis zum Tod. "Heute oder morgen, der Tod ist gewiss. Man sollte nach dem Shahadat (Märtyrertum) streben", verbreitete er nach Angaben von AIP über Funk an seine Einheiten. Gott werde die Taliban über den "großen Ungläubigen", die USA, triumphieren lassen, sagte er.

Der Sprecher der Nordallianz berichtete, die Taliban bewaffneten derzeit die Zivilbevölkerung als Vorbereitung auf einen möglichen Einsatz von US-Bodentruppen. Laut iranischen Rundfunkberichten seien Spezialeinheiten der USA bereits nahe Kandahar von Hubschraubern abgesetzt worden. Eine Bestätigung dafür gab es allerdings nicht. Das Pentagon verweigerte jeden Kommentar.



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