"Könnte Krieg in einer Woche gewinnen" Afghanistan fordert von Trump Erklärung

Vor Journalisten im Weißen Haus prahlt US-Präsident Trump mit militärischer Stärke: Er könne den Konflikt in Afghanistan in kürzester Zeit beenden - es gäbe dann nur viele Tote. In Kabul kommt das nicht gut an.

Kabul (Afghanistan)
Wakil KOHSAR/ AFP

Kabul (Afghanistan)


Eine Aussage des US-Präsidenten sorgt für Verwunderung bei der afghanischen Regierung. Während eines Treffens mit dem pakistanischen Premierminister Imran Khan in Washington sprach Donald Trump über die guten Fortschritte bei den Friedensbemühungen in Afghanistan und den Abzug von US-Truppen. Er wolle eine friedliche Lösung, erklärte Trump und ergänzte dann: "Wenn wir einen Krieg in Afghanistan führen und gewinnen wollten, könnte ich diesen Krieg in einer Woche gewinnen. Ich möchte nur nicht zehn Millionen Menschen töten."

Was will der US-Präsident damit andeuten? Die afghanische Regierung fordert Trump nun auf, diese Aussagen genauer zu erklären. Die afghanische Nation werde es nie einer ausländischen Regierung erlauben, über das Schicksal Afghanistans zu bestimmen, hieß es in einem Statement aus dem Präsidentenpalast.

Pakistans Premier hatte bei dem Treffen mit Trump am Montag erklärt, dass es keine militärische Lösung für Afghanistan geben könne. Der Besuch des Politikers in Washington kommt zu einer Zeit, in der intensive Bemühungen um eine politische Lösung des langjährigen Konflikts laufen.

Gespräche zwischen USA und Taliban

Die USA sprechen seit Juli des Vorjahres direkt mit Vertretern der radikalislamischen Taliban über Wege zum Frieden. In den Gesprächen geht es vor allem um den Abzug von Truppen sowie um Garantien, dass Afghanistan kein sicherer Zufluchtsort für Terroristen wird.

Pakistan wird großer Einfluss auf die afghanischen Taliban nachgesagt. Viele Taliban-Führer sollen mit ihren Familien in der südwestlichen Provinz Belutschistan leben. Analysten zufolge ist eine Kooperation Pakistans notwendig, um dauerhaften Frieden in Afghanistan zu erreichen.

Die jüngste, mittlerweile siebte USA-Taliban-Gesprächsrunde mit dem US-Sondergesandten für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, war vor rund zwei Wochen für Konsultationen unterbrochen worden. Khalilzad sprach danach von "bedeutenden Fortschritten". Es ist unklar, wann Khalilzad ins Golfemirat Katar reist, um die Gespräche fortzusetzen.

Trump hatte Anfang 2019 überraschend angekündigt, dass er die US-Truppen in Afghanistan reduzieren und die Mission letztlich ganz beenden möchte.

mho/dpa/Reuters



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