Afghanistan Fünf Isaf-Soldaten sterben bei Anschlag

Bei einem Sprengstoffanschlag im Osten Afghanistans sind fünf Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf ums Leben gekommen - nach Angaben der Nachrichtenagentur AP handelt es sich um Polen. Für die Isaf ist es der schwerste Anschlag seit Monaten.


Kabul - Fünf Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf sind bei der Explosion eines Sprengsatzes im Osten Afghanistans gestorben. Das teilte die Nato-geführte Schutztruppe mit, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Die Nachrichtenagentur AP berichtete, dass es sich bei den Soldaten um Polen handele.

Es sei ein am Straßenrand plazierter Sprengsatz explodiert, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf Regierungskreise in Warschau. Ein Sprecher der polnischen Truppen in Afghanistan wollte sich zunächst nicht zu dem Vorfall äußern, solange "die Angehörigen der Opfer noch nicht informiert" seien.

Der Polizeichef der südöstlichen Provinz Ghasni, Dilawar Sahid, hatte zuvor erklärt, dass in der Provinz ein Sprengsatz in der Nähe eines ausländischen Militärkonvois explodiert sei. Die genaue Zahl der Opfer sei aber noch unklar. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AFP, ein Isaf-Fahrzeug sei "komplett zerstört" worden. Außerdem habe er gesehen, wie Hubschrauber die Opfer geborgen hätten.

Die radikalislamischen Taliban bekannten sich in einer SMS an die Nachrichtenagentur AFP zu dem Anschlag und erklärten, es habe sich um einen polnischen Konvoi gehandelt. Polen beteiligt sich mit rund 2600 Soldaten am internationalen Afghanistan-Einsatz, die Truppen sind für die Sicherheit in Ghasni zuständig.

In Ostafghanistan sind vor allem US-Soldaten eingesetzt. Es ist der verlustreichste Anschlag für die Isaf seit Ende Oktober, als 13 Angehörige der Schutztruppe in Kabul getötet wurden.

De Maizière besucht Bundeswehr in Nordafghanistan

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hielt sich am Mittwoch im Einsatzgebiet der Bundeswehr in Nordafghanistan auf. Während seines Besuchs sprach er von einer verbesserten Sicherheitslage im Land - warnte aber auch vor einem übereilten Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan.

In Kunduz sagte der Minister, er sei aufgrund der aktuellen Entwicklung "gedämpft zuversichtlich", dass man den ambitionierten Plan zum Abzug bis 2014 erfüllen könne. Zwar habe sich die Sicherheitslage in den vergangenen Monaten ein wenig gebessert, doch diese Erfolge seien instabil. "Alles steht unter der Voraussetzung, dass es die Sicherheitslage erlaubt", sagte de Maizière, "dem Abzug darf keine Leere folgen".

Deutscher Soldat verletzt

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP wurde ein deutscher Soldat während einer Patrouille nahe Nawabad im Distrikt Kunduz verletzt. Es handle sich um eine Schussverletzung, von Fremdverschulden sei aber vermutlich nicht auszugehen, teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr mit.

Die afghanischen Streitkräfte verfügen nach eigenen Angaben mittlerweile über eine Truppenstärke von 180.000 Mann. Im zurückliegenden Jahr seien 40.000 Soldaten hinzugekommen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Mohammad Sahir Asimi. Damit komme man dem Ziel näher, bis Oktober kommenden Jahres 195.000 Soldaten einsatzbereit zu haben, um die durch den Abzug ausländischer Truppen entstehenden Lücken ausgleichen zu können.

Die USA und die Nato arbeiten gemeinsam mit den afghanischen Streitkräften daran, dass diese Ende 2014 selbst die Verantwortung im gesamten Land übernehmen können.

anr/heb/AP/AFP/dpa/dapd

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