Afghanistan Geheimdienst meldet Tod von Taliban-Führer Dadullah

Schwerer Schlag gegen die radikalislamischen Taliban: Mullah Dadullah, der Militärchef der Rebellen, ist nach Angaben des afghanischen Geheimdienstes im Süden Afghanistans getötet worden. Die Isaf bestätigte Dadullahs Tod bislang noch nicht.


Kabul - "Ich kann bestätigen, dass Mullah Dadullah tot ist. Sein Leichnam befindet sich jetzt in der Provinz Kandahar", sagte der Sprecher des afghanischen Geheimdienstes, Sajed Ansari, heute früh. Der Militärchef und sein Bruder seien bei einer Operation in der Provinz Helmand getötet worden. An den Kämpfen seien britische und afghanische Soldaten ebenso beteiligt gewesen, wie Spezialkräfte der USA. Weitere Informationen würden später bekannt gegeben.

Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid dementierte den Tod Dadullahs. "Das ist nicht mehr als Propaganda. Sie behaupten, sie werden den Medien den Leichnam Mullah Dadullahs zeigen", sagte er. "Wir versprechen ebenfalls, den Medien eine neue Stimmenaufnahme von Mullah Dadullah zu präsentieren."

Ein Sprecher der Nato-geführten Afghanistan-Schutztruppe Isaf, Major John Thomas, sagte dagegen, er könne den Tod nicht bestätigen. "Wir haben von den Berichten gehört, sind aber nicht in der Lage, sie zu bestätigen." Die britische BBC berichtete aber, einer ihrer Reporter habe die Leiche in Kandahar gesehen.

Eine Gefangennahme oder der Tod Mullah Dadullahs, der dem zehnköpfigen Taliban-Führungsrat angehört, wäre der bislang schwerste Schlag gegen die Rebellen. Mullah Dadullah war jedoch schon zuvor totgesagt worden, was sich später als falsch herausstellte.

Dadullah gehörte zu den Vertrauten von Taliban-Führer Mullah Omar und stammte aus der zentral-afghanischen Provinz Orusgan. Der als besonders grausam berüchtigte Kämpfer soll im Jahr 2001 an einem Massaker an 200 Zivilisten in Jakawalang beteiligt gewesen sein. Der Rebellenführer ordnete unter anderem die Enthauptung eines afghanischen Journalisten und dessen Fahrers an, die im März entführt worden waren. In Interviews kündigte er Anfang März zahlreiche Selbstmordanschläge in Afghanistan an.

Im März 2003 wurde der Taliban-Kämpfer, der im Krieg ein Bein verloren hatte, vom Obersten Rat der Taliban als Militärchef im Süden des Landes eingesetzt. Die internationale Afghanistan-Truppe (ISAF) hat im Süden seit Monaten mit einer Aufstandsbewegung unter der Führung der radikalen Organisation zu kämpfen.

mik/AFP/dpa/Reuters



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