Afghanistan Geheimdienstexperten werfen US-Agenten Versagen vor

"Ahnungslos, unfähig, unbedeutend": Ranghohe Geheimdienstexperten haben ein vernichtendes Urteil über die US-Agenten in Afghanistan gefällt. In einem Bericht vergleichen sie die Arbeit der Nachrichtendienste mit Wahrsagerei.

US-Soldat in Afghanistan: Geheimdienste keine Hilfe am Hindukusch
AFP

US-Soldat in Afghanistan: Geheimdienste keine Hilfe am Hindukusch


Washington - Diese Einschätzung wird US-Präsident Barack Obama nicht gefallen: Die amerikanischen Agenten in Afghanistan seien "noch immer unfähig, fundamentale Fragen zu beantworten über das Umfeld, in dem wir im Einsatz sind, sowie über die Menschen, die wir versuchen zu schützen und zu überzeugen", schreibt Generalleutnant Michael Flynn, stellvertretender Chef der US-Nachrichtendienste am Hindukusch.

In dem Bericht, der am Montag auf der Internetseite des renommierten Center for a New American Security veröffentlicht wurde, fällen Flynn und seine Co-Autoren ein vernichtendes Urteil über die Arbeit ihrer Agenten. In dem Dokument heißt es, die Probleme der US-Aufklärung seien "einstellungs-, kulturell und menschlich bedingt".

Die ungewöhnlich offene Beschreibung der US-Aufklärungsaktivitäten trägt den Titel "Den Dienst in Ordnung bringen: Ein Plan, um den Geheimdienst in Afghanistan bedeutend zu machen".

Darin zählen die Autoren eine Reihe von Schwachpunkten auf: Die US-Agenten wüssten wenig über Wirtschaft, hätten keine Ahnung von den Machtcliquen des Landes und seien nicht an der Zusammenarbeit mit Dorfbewohnern interessiert.

"Wahrsagerei statt Ermittlungsarbeit"

Darunter leidet dem Bericht zufolge die gesamte Afghanistan-Strategie der USA. Wenn ranghohe Entscheidungsträger nach Informationen und Einschätzungen fragten, könnten die US-Geheimdienstoffiziere oftmals "nicht viel mehr machen als mit den Schultern zu zucken", heißt es in dem Bericht. Den Agenten fehle es so sehr an Informationen aus "dem Feld", dass viele ihre Arbeit mit "Wahrsagerei" anstatt ernsthafter Ermittlungsarbeit verglichen.

Weil sie sich hauptsächlich darauf konzentriert hätten, Informationen über Gruppierungen von Aufständischen zu sammeln und zu analysieren, seien die US-Geheimdienste nicht imstande, entscheidende Fragen darüber zu beantworten, welche örtlichen Gegebenheiten die Soldaten vorfänden. Sie hätten keine Ahnung von örtlichen Wirtschaftsstrukturen und Landbesitzverhältnissen, nur eine vage Vorstellung, wer die lokal entscheidenden Personen seien und wie sie beeinflusst werden könnten, bemängeln die Autoren.

Neuer Höhepunkt der Kritik

"Der riesige Geheimdienstapparat ist außerstande, grundlegende Fragen über das Umfeld zu beantworten, in dem sich die US-Truppen und die Verbündeten bewegen, und über die Menschen, die sie auf ihre Seite ziehen wollen", heißt es.

Der Bericht ist ein neuer Höhepunkt der Kritik an den US-Geheimdiensten. In den vergangenen Tagen waren im Zusammenhang mit dem Anschlagsversuch von Detroit Zweifel an der Arbeit der Nachrichtendienste aufgekommen. Trotz mehrerer Hinweise im Vorfeld war es einem 23-jährigen Nigerianer gelungen, mit am Körper verstecktem Sprengstoff ein Flugzeug mit dem Ziel USA zu besteigen. Barack Obama hatte daraufhin von "inakzeptablen" Versäumnissen gesprochen.

Für Dienstagnachmittag (Ortszeit) ist ein ein Krisentreffen des US-Präsidenten mit mehreren Geheimdienstchefs im Weißen Haus geplant, um die Versäumnisse zu analysieren.

Ein tragischer Rückschlag für die Geheimdienste war auch der Anschlag auf ein US-Lager in der afghanischen Stadt Khost, dem sieben Menschen zum Opfer fielen. Wie sich nun herausstellte, war der Attentäter ein Doppelagent für al-Qaida.

hut/AFP/APD



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SaT 08.11.2009
1. abziehen oder ewig weiterkämpfen
Wieso siegen? Da keine Kriegsziele existieren kann man im Grunde weder gewinnen oder verlieren sondern nur abziehen oder ewig weiterkämpfen. Vorschlag: wir erklären uns zum moralischen Sieger und ziehen mehr oder weniger geordnet ab. Dem korrupten Karzeiclan, Warlords und die Drogenbarone unserer Wahl geben wir halt soviel Waffen, dass die das Thema Taliban alleine in den Griff bekommen. Wir überlassen Afghanistan den Afghanen und kümmern uns endlich um unsere eigenen Probleme – davon gibt es genug.
Ökopit 08.11.2009
2. Westlich und Islam ...
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
... schließt sich naturgegeben aus! Die beste Strategie in Afghanistan wäre ein kompletter (und sofortiger) Rückzug des Westens - nicht nur der Truppen, auch aller zivilen "Möchtegern-Helfer" und natürlich der Krämerseelen! Nur, das geht leider "geostrategisch" nicht, denn wer "die Passhöhen des Hindukusch" beherrscht, kann, wenn er will, ganz Asien beherrschen! Die Engländer haben das im 19. Jahrhundert nicht geschafft, die Sowjetunion ab 1980 auch nicht! Die Ami's und ihre Vasallen (leider gehört Deutschland dazu) versuchen das seit 2001! Ich gönn ihnen den Erfolg nicht!
ewspapst 08.11.2009
3. Nur Siegen?
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
Hier das Ausgangsthema. Ist der Krieg in Afghanistan noch zu gewinnen? Natürlich ist der Krieg zu gewinnen. Haben Sie sich als Forist hier nicht die vielen Militärexperten, Generalsdoppel, Humanisten und göttergleiche Juristen, ja selbst Philosophen, die alle ein ungemein umfassendes und unbedingt richtiges Wissen mitbringen, angeschaut. Ihr Spezialwissen übertrumpft alle, denn das haben sie uns oft genug gesagt. Und warum sollen wir ihnen nicht glauben? Ihre Erkenntnisse erfüllen uns täglich mit staunen, ob der vielen Darbietungen. Sie alle wissen viel besser als die afghanische Bevölkerung, unter welchen Bedingungen dort gelebt werden soll und muss und bringen uns Unwissende alles haarklein nahe. Es ist doch ganz klar, dass die westliche Intelligenz viel klarer definieren kann, was gut und böse ist und was einem Paschtunen natürlich nicht möglich ist. Wie Wahlen zu werten sind, können doch nur die politisch vorgebildeten Nato - Angehörigen. Die westliche Welt hat über lange Zeit nur nach Recht und Gesetz gehandelt, nur um der Menschlichkeit willen und ist deshalb in der Lage, dieses Wissen und Handeln an die dritte Welt weiterzugeben, die dann ebenso handeln soll, ganz besonders die Afghanen. Haben Sie diesen Worten geglaubt? Natürlich, denn sie werden uns doch täglich ohne Unterbrechung frei Haus geliefert. Dann werden "Sie " diesen Krieg auch gewinnen, "wir " Ungläubigen dagegen nicht. Übrigens, warum haben die Russen, die Inder, die Pakistani, die Engländer, wieder die Russen und dann auch die Amerikaner die Kämpfe nicht gewonnen? Die genannten EXPERTEN werden es Ihnen mit vielen Worten und rechtsphilosophischen Erläuterungen sagen.
mark anton, 08.11.2009
4. Ist die Haltung der D Feigheit vor dem Feinde?
oder wie wuerde man es bezeichnen koennen? Auch wenn der Ausgang in Afghanistan wegen der vielseitig unguenstigen und unueberbrueckbaren Problemen negativ ist, haette man als Verbuendeter seine Verpflichtungen nachkommen muessen. Was, wenn D einmal Verbuendete braucht - die Nato koennte dann auch sagen, wir erinnern uns an Kunduz und verhalten uns ebenso.
Stahlengel77, 08.11.2009
5.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,660064,00.html Na prima. Das US-Militär operiert in dem von der Bundeswehr kontrollierten Bereich zusammen mit afghanischer Miliz. Wir können an fünf Fingern abzählen, was das für unsere Soldaten bedeutet: Weitere Destabilisierung, die Taliban werden mehr Zulauf bekommen und wie das bei den Paschtunen so ist, wird die Blutrache ausgerufen und dann wird nicht mehr unterschieden, welches Nationalitätenzeichen auf einer Uniform prangt. Es steht außer Zweifel, das wir mit vermehrten Anschlägen und Angriffen auf unsere Soldaten rechnen müssen nach der Offensive. Und wenn die von der Bundeswehr besetzte Region durch die US-Militärs so richtig aufgemischt wurde, wird eine Aufstockung des Mandats notwendig sein. Ob es dafür eine Mehrheit im Bundestag gibt, wenn auch endlich offiziell von einem Krieg gesprochen wird, ist fraglich. Am Ende werden unsere Soldaten in Afghanistan alleine gelassen, wenn sie das nicht schon sind. Wenn ich von Soldaten, die aus dem Einsatz kommen, hören muss, das sie sich ihre Ausrüstung immer noch selbst kaufen müssen, das sie unter schwierigsten Bedingungen mit unzureichendem Material ihren Aufgaben nachkommen müssen, das die Bevölkerung ihnen weitgehend feindlich gesonnen ist und sie quasi mitanschauen müssen, wie Warlords unbehelligt ihren Opiumanbau vorantreiben und damit enorme Gewinne erzielen (und dagegen nicht vorgegangen wird), da fragt man sich wirklich: Was haben wir dort überhaupt verloren? Die geplante Pipeline der Amerikaner schützen? Abortmücke am Hintern Chinas spielen? (Es ist längst bekannt, das die Taliban einen guten Teil ihrer Waffen aus China gesponsert bekommen) Noch heute bin ich der Meinung, das Struck, Fischer und Schröder juristisch zur Rechenschaft gezogen gehören, da sie deutsche Soldaten in einen Angriffskrieg der USA geschickt haben. In tausenden von Jahren hat niemand es geschafft, diese Region dauerhaft zu besetzen. Nur Wahnsinnige glauben, man könnte dort einen Krieg gewinnen.
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