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27. Dezember 2018, 07:52 Uhr

Möglicher Abzug von US-Soldaten

Ex-Generalinspekteur erwartet Bundeswehr-Abzug aus Afghanistan

Tausende US-Soldaten könnten sich bald aus Afghanistan zurückziehen. Das will US-Präsident Donald Trump. Ex-Generalinspekteur Harald Kujat sieht einen Abzug deutscher Truppen danach zwingend.

Nachdem der US-Präsident Donald Trump einen möglichen Abzug seiner Truppen angekündigt hat, denkt auch Deutschland über ein Ende des Bundeswehreinsatzes nach. Der frühere Generalinspekteur Harald Kujat sagte in einem Interview mit dem "Tagesspiegel": "Wenn die Vereinigten Staaten sich bis auf ein Restkontingent aus Afghanistan zurückziehen, gibt es auch für uns keinen Grund mehr, diesen Einsatz fortzusetzen".

Wenn zudem Schutz und Unterstützung deutscher Soldaten nicht hundertprozentig gewährleistet sei, müsse die Bundeswehr den Einsatz in Afghanistan beenden. Das stehe "außer Frage."

Kujat rechnete nicht damit, dass einzelne Nato-Staaten wie etwa Großbritannien ihre Kontingente aufstocken, um den Abzug der US-Soldaten auszugleichen. Derzeit sind im Rahmen des Unterstützungs- und Ausbildungseinsatzes "Resolute Support" der Nato rund 1100 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stationiert.

Trump will Truppe in Afghanistan halbieren

US-Präsident Donald Trump will das aktuelle Kontingent von etwa 14.000 US-Soldaten in Afghanistan stark reduzieren. Etwa die Hälfte soll nach Medienberichten abgezogen werden. Trump soll demnach bereits das Verteidigungsministerium angewiesen haben, den Truppenabzug einzuleiten.

Derweil hat sich die Sicherheitslage in Afghanistan in den letzten Monaten weiter verschlechtert: Die afghanische Regierung kontrolliert nur noch wenig mehr als die Hälfte der Bezirke des Landes. Weitere 30 Prozent sind umkämpft. 22 große Anschläge haben in diesem Jahr die afghanische Hauptstadt Kabul erschüttert. Den Großteil dieser Anschläge reklamierte die Terrormiliz "Islamischer Staat" für sich.

mfh/dpa

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