Entführung in Afghanistan Bewaffnete verschleppen deutsche Entwicklungshelferin

In Afghanistan ist eine deutsche Staatsbürgerin entführt worden. Am Morgen stoppten Bewaffnete das Auto der Entwicklungshelferin in Kabul und verschleppten die Frau. Das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab eingerichtet.

Von und Shoib Najafizada


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


In Kabul ist nach afghanischen Angaben eine deutsche Mitarbeiterin der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) entführt worden. "Die deutsche Entwicklungshelferin wurde am Morgen von bewaffneten Männern aus ihrem Auto entführt", sagte Faridon Hobaidy, der Chef der Kabuler Kriminalpolizei SPIEGEL ONLINE.

Seinen Angaben nach wurde die Deutsche im Kabuler Distrikt Nr. 10 von zwei Bewaffneten aus ihrem Auto gezogen und verschleppt. Die Gegend gilt unter Ausländern als bevorzugte Wohngegend, auch viele Wiederaufbauagenturen wie die GIZ haben hier ihre Büros.

Von deutscher Seite gab es zunächst keine Bestätigung für die Entführung, die GIZ verwies auf das Auswärtige Amt. Dort wollte man zunächst ebenfalls nichts zu der alarmierenden Nachricht aus Kabul sagen. Intern hieß es, der Krisenstab beschäftige sich seit dem Morgen mit dem Fall.

Grundsätzlich zeigt sich das Auswärtige Amt bei Geiselnahmen von Deutschen sehr verschwiegen, um das Leben der Entführten nicht zu gefährden. Hinter den Kulissen bemühen sich Diplomaten der Botschaft und die deutschen Sicherheitsbehörden nun um die Aufklärung des neuen Falls. Bisher soll sich aber noch niemand mit Forderungen an die Deutschen gewandt haben.

Ständiges Risiko trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen

Afghanische Quellen berichteten SPIEGEL ONLINE, die Deutsche sei am Morgen mit einem Auto auf der Hauptstraße des Viertels Qala-e-Fatullah ganz in der Nähe des GIZ-Büros unterwegs gewesen, als die Bewaffneten den Wagen stoppten, die Scheibe einschlugen und die Deutsche mit Gewehren bedrohten. Danach hätten sie die Frau aus dem Auto gezogen und verschleppt. Von ausländischen Entwicklungshelfern in Kabul hieß es, in den letzten Tagen habe es scharfe Warnungen vor möglichen Entführungen oder Angriffen auf deutsche Institutionen gegeben, solche Hinweise gehören in der angespannten Lage in Afghanistan zur traurigen Routine.

Afghanischen Sicherheitskreisen zufolge handelt es sich bei der entführten Frau um die Leiterin eines Stabilisierungsprogramms der GIZ, die seit einigen Monaten in Afghanistan arbeitete und vorher in Südamerika tätig war. Grundsätzlich gelten für die rund 100 deutschen Mitarbeiter der GIZ hohe Sicherheitsvorkehrungen, allerdings kann man das Risiko einer Entführung in der volatilen Lage in Kabul und ganz Afghanistan nie komplett ausschließen. Anwohner berichteten, dass seit der Entführung Drohnen und Helikopter über dem Viertel Kabuls flögen. Für die Ausländer in der Stadt wurde umgehend eine strikte Ausgangssperre unter dem Alarm-Code "White City" ausgerufen.

Seit Wochen wird die Sicherheitslage auch in der afghanischen Hauptstadt, die bisher als halbwegs sicher galt, immer schlechter. Fast jeden Tag kommt es zu Bombenanschlägen und bewaffneten Angriffen, erst vor einigen Tagen hatte sich ein Selbstmordattentäter am ersten Sicherheits-Checkpoint des internationalen Flughafens in die Luft gesprengt und mehrere Zivilisten mit sich in den Tod gerissen. Trotz starker Polizei- und Militärpräsenz der afghanischen Regierung gilt die Hauptstadt derzeit alles andere als sicher oder gar stabil. Für ganz Afghanistan gilt seit Jahren eine strikte Reisewarnung des Auswärtigen Amts, trotzdem sind die deutschen Entwicklungshelfer weiter im ganzen Land aktiv, zumindest so gut es geht.

Erst im Sommer war im Norden Afghanistans ein deutscher GIZ-Mitarbeiter entführt worden, er konnte sich aber nach mehreren Wochen in der Hand von Geiselnehmern befreien und zu einer nahegelegen Polizeiwache retten. Damals hatte die Bundesregierung sogar eine militärische Befreiung durch Spezialeinheiten der Bundeswehr erwogen. Im aktuellen Fall gibt es bisher keine Hinweise auf die Geiselnehmer, sie könnten aus den Reihen der radikalislamistischen Taliban stammen oder zu bewaffneten Banden gehören, die für ausländische Geiseln hohe Lösegelder erpressen wollen.


Zusammengefasst: In Afghanistans Hauptstadt Kabul ist eine Mitarbeiterin der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) von Bewaffneten entführt worden. Das Auswärtige Amt wollte bisher keine Stellung nehmen. Ein Krisenstab beschäftigt sich offenbar mit dem Fall. Die Gegend gilt eigentlich als relativ sicher - die Lage in Kabul wird jedoch zunehmend instabil.

Mitarbeit in Kabul: Shoib Najafizada



insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
mschwietzke599 17.08.2015
1. wer bezahlt das Lösegeld?
Die GIZ oder doch wieder der Steuerzahler? Es gibt eine Reiseverbot für das Land. Man kann da soviel aufbauen wie man will, aber wenn es immer wieder gelingt Ausländer zu entführen und horende Lösegelder für diese einstreicht, hilft man dem Land auch nicht weiter.
frankfurtbeat 17.08.2015
2. was ...
was macht denn eine Frau als Entwicklungshelferin in einem vom Krieg und Bandentum zerrütteten Land? Eine Entführung ist dabei von vorne herein einzukalkulieren ...
mundi 17.08.2015
3. Verführte Idealisten
Organisationen, die in diese gefährliche Gegend Zivilisten hinschicken, müssen doch bescheuert sein. Schade um die verführten Idealisten.
Wildes Herz 17.08.2015
4. @ marcw
Echt ätzend, was manche Leute aus der kuscheligen Geborgenheit eines gepolsterten Computersessels absondern. Was glauben Sie denn, wer die Frau nach Afghanistan geschickt hat? Der Weihnachtsmann? Oder der Osterhase? Die Frau war (wie aus dem Artikel hier ganz klar und unmissverständlich hervorgeht!) für die GIZ in Afghanistan! Wer ist die GIZ? Wikipedia: "Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ist eine staatliche Entwicklungszusammenarbeitsorganisation der Bundesrepublik Deutschland." Mit anderen Worten: Die Frau war dort im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland -also des deutschen Staates! Und der soll das Opfer nun Ihrer Meinung nach bitteschön im Stich lassen? Sagen Sie mal: Geht's noch?!
Atheist_Crusader 17.08.2015
5.
Zitat von mschwietzke599Die GIZ oder doch wieder der Steuerzahler? Es gibt eine Reiseverbot für das Land. Man kann da soviel aufbauen wie man will, aber wenn es immer wieder gelingt Ausländer zu entführen und horende Lösegelder für diese einstreicht, hilft man dem Land auch nicht weiter.
Blödsinn. Es gibt eine ReiseWARNUNG. Das ist kein Verbot.
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