Afghanistan Hoher Geistlicher pocht auf Sexpflicht für Ehefrauen

Der Streit um das afghanische Ehegesetz verschärft sich. Die Regierung in Kabul hat den Erlass, der Frauen zu regelmäßigem Sex in der Ehe verpflichtet, auf internationalen Druck hin zunächst gestoppt. Doch ein hoher Geistlicher erklärt das Gesetz jetzt für unabänderlich.


Kabul - Die internationale Empörung war groß, als vergangene Woche das neue afghanische Ehegesetz bekannt wurde. Es verbietet Frauen, sich ihren Ehemännern sexuell zu verweigern. Das, kritisierten westliche Politiker und Menschenrechtler, sei nichts anderes als die Legalisierung von Vergewaltigung in der Ehe. Die Bundesregierung zeigte sich schockiert, sogar von einer Kürzung der Entwicklungshilfe war die Rede. Der internationale Druck wurde so groß, dass die afghanische Regierung das Gesetz zunächst auf Eis legte.

Afghanische Frauen (am Internationalen Frauentag am 8. März): Hoher Geistlicher hält Sex-Pflicht für unabänderlich
AP

Afghanische Frauen (am Internationalen Frauentag am 8. März): Hoher Geistlicher hält Sex-Pflicht für unabänderlich

Doch der führende schiitische Geistliche des Landes will davon nichts wissen: Das Ehegesetz sei beschlossen und nicht mehr abzuändern, sagte Mohammed Asif Mohseni am Samstag vor Journalisten in Kabul. Die Kritik aus dem Ausland sei eine unzulässige Einmischung und lasse den Respekt für die afghanische Demokratie vermissen. "Wenn die Frau nicht krank ist und kein anderes Problem vorliegt, dann ist es das Recht des Mannes, Sex zu verlangen", meint Mohseni.

Nach dem Gesetz, das Erinnerungen an Taliban-Zeiten weckt, sind Frauen verpflichtet, mindestens alle vier Tage mit ihrem Mann zu schlafen. Männer dürfen der Vorlage zufolge außerdem ihren Ehefrauen bestimmte Tätigkeiten verbieten oder sie am Verlassen des Hauses hindern.

Sunniten könnten Vorschrift übernehmen

"Das Gesetz der Scharia besagt, dass eine Frau das Haus nicht ohne die Erlaubnis ihres Mannes verlassen darf", sagte Mohseni, der an der Vorbereitung des Textes maßgeblich beteiligt war. Präsident Hamid Karsai hatte zugesagt, das Gesetz nochmals auf seine Verfassungskonformität prüfen zu lassen. Mohseni erklärte jedoch, die Vorschrift könne nicht mehr geändert werden, da sie von beiden Kammern des Parlaments beschlossen und von Karsai unterzeichnet worden sei. Der Westen, der sich für die Einführung der Demokratie in Afghanistan brüste, solle diese demokratische Entscheidung respektieren, sagte der Geistliche.

Schließlich komme der Mann in der Regel für das Auskommen der Familie auf, erklärte Mohseni. Deshalb habe er Anspruch auf regelmäßigen Geschlechtsverkehr: "Können wir für diese ganzen Ausgaben einem Ehemann nicht mindestens das Recht geben, nach vier Nächten von seiner Frau Sex zu verlangen?"

Das Gesetz soll das Familienleben der schiitischen Gemeinschaft regeln, die etwa 10 bis 20 Prozent der 30 Millionen Afghanen umfasst. Prominente sunnitische Geistliche aber haben bereits signalisiert, dass sie die Regelung übernehmen könnten - damit wäre sie für nahezu alle Afghanen gültig.

Die afghanische Verfassung garantiert Frauen und Männern "gleiche Rechte und Pflichten vor dem Gesetz". Die Gesellschaft ist von einer konservativen Interpretation des Islams geprägt, die Lage der Frauen hat sich seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 jedoch verbessert. Millionen Mädchen gehen zur Schule, im Parlament sind 89 von 351 Abgeordneten Frauen. Mohseni aber argumentiert, dass Männer und Frauen in Afghanistan bei weitem nicht gleichgestellt seien - und auch nicht so behandelt werden sollten.

mbe/AP



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Annika Hansen, 11.04.2009
1. Die Schönheiten des Islams
lassen sich da sehr anschaulich für die westliche Welt bestaunen. Wo steckt eigentlich die "Bundesempörungsbeauftragte" Claudia Roth? Oder ist sie mit Sonne, Mond und Sterne beschäftigt? Wir sollten noch mehr Moscheen in Deutschland bauen lassen, denn diese Gesetzgebung in Afghanistan ist sicherlich nur ein Einzelfall und hat überhaupt nichts mit dem friedliebenden und menschenfreundlichen Islam zu tun.
Nov 11.04.2009
2. ...
>>Der Westen, der sich für die Einführung der Demokratie in Afghanistan brüste, solle diese demokratische Entscheidung respektieren, sagte der Geistliche.
avollmer 11.04.2009
3. Aktivisten gesucht (Achtung SATIRE)
Wer macht mit bei einer Gratis-Geschlechtsumwandlung für den hohen Geistlichen? Anschliessend noch eine Zwangsverheiratung, damit er auch in den Genuss der von ihm propagierten Neuerungen kommen kann ... ... vielleicht ist aber auch Gott der Gütige so gnädig und erfüllt ihm diesen Wunsch und lässt ihn morgen früh als Frau aufwachen. Das ganze Problem beruht nur auf dem Alkoholverbot. Bei uns sitzen Männer mit solchen Ansichten nur noch trinkend in Raucherkneipen, verkürzen ihre Lebensdauer und sorgen so dafür eine Minderheit zu bleiben. In Afghanistan leben sie anscheinend gesünder und erklimmen hohe geistliche Ämter. Wir brauchen uns aber nicht allzu überlegen zu fühlen. Vor einem Jahrhundert, als alle noch ungesünder lebten, hatten derartige Männer auch bei uns noch die Mehrheit. Dass die Afghanen sich das gefallen lassen? Sind die Männer dort solche erbämlichen Wichte, dass sie ihre Frauen unter Laken verstecken müssen und ein Gesetz brauchen um eine Chance auf Sex zu bekommen? Eine Art DoItYourself-Bordell mit der Ehefrau als Nutte und dem Mann als Exklusivkunden. Der Dingens falle ihm ab, diesem ... ihr wisst schon. Doch genug der Überzeichnung, falls sich unser Aussenminister angesprochen fühlt von den Vorwürfen dieses ..., dann sei ihm gesagt: Nicht das Ausland mischt sich in die Angelegenheiten Afghanistans ein, nein Mohammed Asif Mohseni mischt sich in innersten Angelegenheiten der afghanischen Frauen ein. Jeder Mann und jede Frau auf dieser Welt ist aufgerufen sich für die Würde der Frauen in Afghanistan einzusetzen. Die kommenden Generationen Afghanistans haben einen Anspruch darauf Mütter zu haben, die ihre Würde und ihre Menschlichkeit behalten konnten. Die Kinder Afghanistans sollen nicht die Kinder rechtloser Frauen sein. Solche Schande fiele auch auf Mohammed Asif Mohseni Haupt und das wäre eine Schande für den Islam.
myspace 11.04.2009
4. .
Welch bittere Ironie für Bush: Die Einführung der Demokratie in einem Land impliziert nicht notwendigerweise, daß die Mehrheit der Bevölkerung sich auch von heute auf morgen auf demokratische Werte beruft.
Nov 11.04.2009
5. ...
Zitat von Annika Hansenlassen sich da sehr anschaulich für die westliche Welt bestaunen. Wo steckt eigentlich die "Bundesempörungsbeauftragte" Claudia Roth? Oder ist sie mit Sonne, Mond und Sterne beschäftigt? Wir sollten noch mehr Moscheen in Deutschland bauen lassen, denn diese Gesetzgebung in Afghanistan ist sicherlich nur ein Einzelfall und hat überhaupt nichts mit dem friedliebenden und menschenfreundlichen Islam zu tun.
Die Religion spielt bei soetwas letztlich keine Rolle. Bei arabischen Christen beispielsweise sind arrangierte (mehr oder weniger Zwangs-) Ehen genauso üblich wie zwischen muslimischen Arabern, in Lateinamerika gibt es immernoch Ehrenmorde (siehe Gabriel José García Márquez: Chronik eines angekündigten Todes) und bis ca. 30-50 Jahren war es in vielen katholisch geprägten Ländern ebenfalls Sitte, dass die katholische Frau ihrem Mann stets sexuell zur Verfügung zu stehen hatte.
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