Afghanistan Isaf meldet gezielte Tötung eines Qaida-Terroristen nahe Kunduz

Gerüchte über die Präsenz von al-Qaida-Kadern in Nordafghanistan gibt es schon lange, nun melden die internationalen Truppen offiziell den Tod eines Kämpfers des Terrornetzwerks. Der Mann soll für mehrere Anschläge im Einsatzgebiet der Bundeswehr verantwortlich gewesen sein.

Aus Kabul berichtet


Kabul - Nach Angaben des Hauptquartiers der internationalen Truppen in Afghanistan ist im nordafghanischen Kunduz ein Mitglied der internationalen Terror-Organisation al-Qaida durch einen gezielten Raketenangriff getötet worden. In einer Mitteilung der Truppen vom Montag hieß es, der Mann namens Abu Bakir sei bereits am Sonntag bei einem Schlag nach einer Taliban-Attacke auf eine Polizeiwache nahe Kunduz getötet worden. Er soll laut der Mitteilung Selbstmordattentäter im Gebiet des Bundeswehrlagers trainiert haben.

Über den Raketenangriff nach der Attacke auf die Polizeiwache in Aliabad hatte die Medienabteilung bereits am Sonntag berichtet. Nun wurde ergänzt, dass einer der getöteten Aufständischen ein Mitglied von al-Qaida sein soll. Über die Präsenz von ausländischen Kämpfern mit Verbindungen zu den afghanischen Taliban war in den letzten Monaten viel spekuliert worden, Beweise dafür gab es jedoch bisher nie. Allein der Name des nun Getöteten weißt daraufhin, dass es sich nicht um einen Afghanen handelt.

Das Hauptquartier in Kabul hatte zuletzt immer wieder auch über bisher geheime Zugriffs- und Eliminierungsoperationen von Einheiten, die nicht unter dem Isaf-Mandat der Nato in Afghanistan agieren, berichtet. Nun lehnte es alle Nachfragen zu dem Qaida-Terroristen ab.

Bei der Nato selber hieß es, über Missionen und Zielpersonen der amerikanischen Terror-Jäger von den Special Forces und der Geheimdienste wie CIA wisse man nur sehr wenig. Dass es sich bei der Tötung des Mannes um eine solche Mission handelte, gilt indes als sicher.

Extremisten suchen Konfrontation mit westlichen Truppen

Das auf den Schattenkrieg der Eliteeinheiten spezialisierte Internetportal "longwarjournal.org" berichtete unter Berufung auf US-Militärkreise, Abu Baqir werde von den Geheimdiensten für mehrere Anschläge in Kunduz verantwortlich gemacht, darunter eine Attacke auf das Büro der staatlichen Hilfsorganisation USAID vor einigen Monaten. Bei dem heftigen Anschlag mitten in Kunduz-Stadt war auch ein Deutscher ums Leben gekommen, der als Sicherheitsmann dort arbeitete.

Die Meldungen scheinen zu belegen, was westliche Geheimdienstler seit Monaten befürchten. Demnach machen die heftigen Auseinandersetzungen rund um Kunduz das Gebiet zu einem Magneten für ausländische Kämpfer. Statt Kämpfen mit internationalen Truppen aus dem Weg zu gehen, suchen solche Kombattanten bewusst die Konfrontation mit den bei ihnen verhassten westlichen Soldaten. Immer wieder wurden in Warnungen für die Bundeswehr tschetschenische Kader der Qaida genannt, die sich angeblich rund um Kunduz versteckt halten sollen.

Die Nachrichten aus Kunduz sind für Beobachter der Terror-Szene in Afghanistan durchaus signifikant. Insgesamt, so jedenfalls die Schätzungen der US-Regierung, gibt es in Afghanistan nur etwa hundert Qaida-Kämpfer. Die Eliminierung eines von ihnen wurde in einschlägigen Foren und von den Nachrichtenagenturen dementsprechend prominent gemeldet.

insgesamt 1037 Beiträge
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Gandhi, 10.07.2010
1. Wenn einem nichte Gescheites mehr einfaellt,
Zitat von sysopMit General Petraeus wollen die USA in Afghanistan die Wende schaffen. Auch Zivilisten sollen im Kampf gegen die Taliban bewaffnet werden. Kann diese Stratgie Erfolg bringen?
dann kommen die tollen Einfaelle. Erst toetet man Zivilisten (weil die bewaffnet waren) und man sie deshalb nicht von Kombattanten unterscheiden konnte und nun sollen bewaffnete Zivilisten zu Kombattanten auf Seiten der USA werden? Die einzige "Strategie", die Erfolg bringen kann, ist den Sieg zu erklaeren und abzuziehen. Das fuer Zerstoerung vorgesehene Geld kann zu Hause viel sinnvoller angelegt werden (aber auch das werden les cons bestreiten), denn auch die Infrastruktur hier haette mal eine Ueberholung noetig.
henningr 10.07.2010
2.
Zitat von sysopMit General Petraeus wollen die USA in Afghanistan die Wende schaffen. Auch Zivilisten sollen im Kampf gegen die Taliban bewaffnet werden. Kann diese Stratgie Erfolg bringen?
Na klar. Wenn die Afghanen sich gegenseitig für ein paar Dollar abknallen, lassen sie wenigstens die Militärbasen in Ruhe. Und das Chaos nimmt man als Vorwand dort zu bleiben. Mussmna halt auch glaubwürdig rüberbringen. Solche Schlagzeilen wie zuletzt, dass rund 2 US-Steuermillionen die Woche in die Taschen der Taliban wandern sind zu vermeiden.
redpirate37 10.07.2010
3. Gibts dort auch unbewaffnete Zivilisten?
Auch Zivilisten sollen im Kampf gegen die Taliban bewaffnet werden. Kann diese Stratgie Erfolg bringen? Je mehr Waffen um so mehr Frieden und Ruhe, klar doch, kann ja nur auf die Weise funktionieren. Irgendwer muss das Zeug ja schließlich bezahlen und abkaufen das im Westen produziert wird. Am Besten die Steuerzahler der NATO Länder, also finanzieren wir den Waffenerwerb der afghanischen Zivilisten, die wiederum damit ein Geschäft bei den Taliban und Aufständischen betreiben können. Klingt doch logisch. Die Taliban lassen sich dann entwaffnen irgendwann und liefern ihre russischen und chinesichen Waffen an Sammelpunkten ab für ein paar Dollar Prämie. ;) Sieht ja schon nach allergrößter Verzweiflung aus was der Westen dort treibt...
semir, 10.07.2010
4.
Zitat von sysopMit General Petraeus wollen die USA in Afghanistan die Wende schaffen. Auch Zivilisten sollen im Kampf gegen die Taliban bewaffnet werden. Kann diese Stratgie Erfolg bringen?
Anscheinend besteht die erfolgreiche Strategie in einem Wunsch nach dem Scheitern in Afghanistan.
duk2500 10.07.2010
5. Dorfmilizen
Dieses Modell kann funktionieren, zumindest dort, wo die Dorfbewohner nicht mit den Taliban sympathisieren. Zur Zeiten des Terrorbewegung "Leuchtender Pfad" hat der damalige Präsident Alberto Fujimori die in den sogenannten "Rondas Campesinas" organisierten indianischen Dorfbewohner bewaffnet. Das war sehr erfolgreich, die Dörfler konnten sich in den abgelegenen Gebieten des Altiplano und der Selva gegen die Einfälle der Maoisten zur Wehr setzen und haben in Zusammenarbeit mit den Streitkräften sehr schnell für Ruhe gesorgt.
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