Afghanistan Jagd auf al-Qaida

Während das Taliban-Regime in Afghanistan kurz vor dem Ende steht, konzentrieren sich die US-Angriffe jetzt zunehmend auf das Terroristennetzwerk al-Qaida. Inzwischen sind auch britische Bodentruppen in der Nähe von Kabul eingetroffen.


Gefangennahme eines Taliban-Kämpfers
AP

Gefangennahme eines Taliban-Kämpfers

Washington/London - "Wir ziehen die Schlinge enger", sagte der zuständige US-Befehlshaber, General Tommy Franks, am Donnerstag in Washington. Zugleich betonte er, das Taliban-Regime sei noch nicht vollständig geschlagen. Das Ziel der US-Offensive in Afghanistan sei von Anfang an die Zerschlagung des al-Qaida-Netzwerks gewesen. Im Süden des Landes hätten US-Sondereinsatzkommandos in den vergangenen Tagen nahe der Taliban-Hochburg Kandahar operiert, sagte der General. Straßen seien blockiert worden, um Taliban- und al-Qaida-Kämpfern die Flucht zu erschweren. Zugleich deutete Franks an, dass US-Soldaten nicht das Risiko eingehen, al Qaida-Führer bis in die Berge Afghanistans zu verfolgen, wo ihnen Höhlen und Tunnel als Unterschlupf dienen.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, es sei zwar möglich, dass Bin Laden aus Afghanistan entkomme. Er halte dies jedoch für unwahrscheinlich. "Ich denke, wir werden ihn finden - entweder dort oder in einem anderen Land."

Unterdessen trafen auf dem Flughafen Bagram in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul rund hundert britische Soldaten ein. Sie sollen vor allem die technischen Einrichtungen überprüfen, wie das Verteidigungsministerium in London am Donnerstag mitteilte. Zwar seien noch viele weitere Soldaten einsatzbereit, ihre Entsendung sei aber noch nicht beschlossen. Auch sei nicht klar, bis wann die Truppen in Afghanistan bleiben würden, aber man werde sie dort so lange wie nötig belassen.

Die Nordallianz hat nach US-Angaben offenbar mehrere ranghohe Taliban-Führer ergreifen können. Die Allianz habe die USA am Donnerstag darüber informiert, verlautete aus US-Regierungskreisen. Wo die Aktion erfolgte, war zunächst nicht bekannt. Unter den Festgenommenen seien aber weder Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar noch der Moslem-Extremist Osama Bin Laden, hieß es weiter. Die USA hofften jedoch auf Informationen über den Verbleib der beiden Männer.



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