Afghanistan Karzai-Herausforderer droht mit Boykott der Stichwahl

Die für kommenden Samstag geplante Stichwahl um das afghanische Präsidentenamt droht zu scheitern. Karzai-Gegner Abdullah Abdullah fordert verbindliche Zusagen für einen transparenten Wahlgang. Andernfalls will er noch an diesem Wochenende seinen Wahlboykott verkünden.

Präsidentschaftskandidat Abdullah Abdullah: Zieht er sich von der Stichwahl zurück?
AP

Präsidentschaftskandidat Abdullah Abdullah: Zieht er sich von der Stichwahl zurück?


Kabul - Der afghanische Präsidentschaftskandidat Abdullah Abdullah hat mit einem Boykott der Stichwahl gedroht, sollten nicht innerhalb eines Tages seine Bedingungen für einen transparenten Urnengang erfüllt werden. Wenn Abdullahs Forderungen nicht im Laufe des Samstags erfüllt würden, werde er am Sonntag auf einer Pressekonferenz seinen Boykott der zweiten Wahlrunde bekanntgeben, sagte ein Mitglied von Abdullahs Wahlkampfteam am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Der Herausforderer von Amtsinhaber Hamid Karzai werde nicht an einer Wahl teilnehmen, "die nicht transparent und nicht ohne Betrug" ablaufe. Der Abgeordnete Ahmed Besad, ein Anhänger Abdullahs, bekräftigte die Boykott-Drohung.

Auch der Fernsehsender CNN und die Nachrichtenagentur AP zitieren Gewährsleute mit entsprechenden Aussagen. Karzai und der Ex-Außenminister hatten dem Gewährsmann von AP zufolge in den vergangenen Tagen intensive Gespräche geführt, die am Freitag ergebnislos abgebrochen wurden. Abdullah habe dabei ein Abkommen über eine Machtteilung anstelle der zweiten Wahlrunde gefordert, der Amtsinhaber habe jedoch auf der Abstimmung beharrt.

Karzai und Abdullah sollen am Samstag kommender Woche in einer Stichwahl gegeneinander antreten. Die erste Wahlrunde im August war von massivem Wahlbetrug, insbesondere zugunsten Karzais, überschattet worden. Die von der Uno unterstützte afghanische Wahlkommission (ECC) erklärte daher die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen für ungültig. Anfang dieser Woche hatte Abdullah die Entlassung des Vorsitzenden der Unabhängigen Wahlkommission (IEC), Asisullah Ludin, gefordert, der früher als Berater Karzais gearbeitet hatte. Außerdem verlangte Abdullah die Entlassung dreier Minister, die für Karzai Wahlkampf gemacht hatten. Karzai wies die Forderungen zurück.

cai/afp/AP/dpa



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nahal, 20.10.2009
1.
Zitat von sysopDie USA haben sich durchgesetzt: Zwei Monate nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Afghanistan wird es eine Stichwahl geben. Wie demokratisch ist Afghanistan heute?
Wie soll man das vergleichen? Afghanistan ist etwas demokratischer als Russland und China, fast so demokratisch wie Iran und etwas undemokratischer als Deutschland. Oder?
Toru_Okada 20.10.2009
2.
Zitat von sysopDie USA haben sich durchgesetzt: Zwei Monate nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Afghanistan wird es eine Stichwahl geben. Wie demokratisch ist Afghanistan heute?
In den Köpfen der Afghanen wird die Demokratie vielleicht in 2 bis 3 Generationen ankommen (aber wie es aktuelle scheint eher nicht, denn diese "Demokratie" ist auf dem besten Wege eine Totgeburt zu werden) …
SaT 20.10.2009
3. Iran
sagen wir mal so etwa wie der Iran. Der Machthaber verhindert mit allerlei Tricks seine Abwahl. Allerdings ist weder der politische noch der mediale Aufschrei im Westen hierzu mit jenem vor ein paar Monaten im Falle der Wahlfälschungen im Iran vergleichbar.
ewspapst 20.10.2009
4. Demokratie, ein tolles Wort für Afghanistan
Ziitat syop Gibt Hamid Karzai dem Druck der Amerikaner nach? Angesichts massiver Fälschungen bei den Wahlen im Sommer soll der afghanischen Präsidenten noch einmal gegen seinen Rivalen Abdullah antreten. Wie demokratisch ist Afghanistan heute? Hallo Sysop, Ihre Frage lautet: Wie demokratisch ist Afghanistan heute? In den letzten hundert Jahren ist Afghanistan zu keiner Zeit demokratisch gewesen. Die vielen Besatzer, England, Pakistan, Russland, UDSSR und USA um nur einige zu nennen haben sich dort doch nicht wegen der Menschenrechte und der Demokratie aufgehalten. Die haben ihre eigenen Interessen verfolgt. Und die Afghanen selber? Sind Sie wirklich der Meinung, in einer Stammesgesellschaft gäbe es Demokratie? Auch dort zählt der Machterhalt einer Personengruppe zu den stärksten Antrieben. Aber vielleicht haben wir neben PSL noch andere Experten, die uns darüber neue Erkenntnisse vermitteln.
Rainer Daeschler, 20.10.2009
5. Wie demokratisch ist Afghanistan?
Gegenfrage: Wie atheistisch ist der Vatikan?
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