Afghanistan Kleinbus gesprengt, 15 Tote

Der Terror eskaliert: In einem Kleinbus im Süden von Afghanistan ist eine Bombe explodiert. Dabei kamen 15 Menschen ums Leben, unter ihnen sechs Kinder. Afghanische Politiker vermuten das Terrornetzwerk al-Qaida oder Taliban-Kämpfer als Täter.


Kandahar - Die Explosion ereignete sich rund 30 Kilometer südöstlich der Provinzhauptstadt Laschkargah. Die Bombe sei am Morgen in einem Bus detoniert, sagte der Verwaltungschef der Provinz, Ghulam Mahaiuddin. Er sprach von 15 Toten: "Acht der im Bus Getöteten waren Männer, sechs waren Kinder und auch eine Frau ist unter den Toten." Zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt.

Bislang bekannte sich niemand zu dem Attentat. Der stellvertretende Gouverneur der Provinz Helmand, Hadschi Pir Mohammed, machte jedoch al-Qaida-Aktivisten und Taliban-Kämpfer verantwortlich.

Laut Mahaiuddin sieht es ganz danach aus, als ob die Bombe versehentlich in die Luft gegangen sei. Womöglich hätten die Attentäter mit der Bombe einen Anschlag in der kommenden Woche in Laschkargah geplant. Der Verwaltungschef hält Taliban- oder al-Qaida-Anhänger für die Verantwortlichen. Er schloss nicht aus, dass der Täter bei der Explosion ebenfalls ums Leben kam.

Zwei Bombenbauer bei vorzeitiger Detonation getötet

Am Morgen hatte der Versuch, eine Bombe zu bauen, zwei afghanische Studenten das Leben gekostet. Ein dritter Student wurde bei der vorzeitigen Detonation des Sprengsatzes schwer verletzt, wie die Polizei in Kabul am Mittwoch mitteilte. Offenbar hätten die jungen Männer einen Terroranschlag geplant.

Im Grenzgebiet zu Pakistan lieferten sich afghanische Soldaten am Dienstagabend ein Feuergefecht mit mutmaßlichen Taliban-Kämpfern. Dabei wurden acht der Angreifer getötet, wie ein Militärsprecher mitteilte. Der Zwischenfall habe sich im Dorf Schinki in der Provinz Chost ereignet. Nach einem mehrstündigen Gefecht hätten sich die Angreifer zurückgezogen. Afghanistan vermutet, dass die Taliban-Kämpfer von Stützpunkten in Pakistan aus operieren.

2000 Bundeswehr-Soldaten in Kabul

In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind derzeit mehr als 2000 Soldaten der Bundeswehr zur Sicherung der Lage im Einsatz. Deutschland hatte in den vergangenen sechs Monaten zusammen mit den Niederlanden das Kommando über die internationale Schutztruppe Isaf in dem Land inne und übergab dieses am Montag an die Nato.

Der Isaf-Einsatz ist bislang auf Kabul begrenzt, derzeit wird aber über eine Ausweitung des Einsatzes über die Hauptstadt hinaus beraten. Deutschland zieht angesichts des Führungswechsels innerhalb der nächsten Wochen rund 900 der bislang 2500 stationierten Soldaten ab. Im Juni waren in Kabul bei einem Anschlag auf einen Bundeswehrbus vier deutsche Soldaten getötet und 29 verletzt worden, einige von ihnen schwer.



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