Afghanistan Koalitionstruppen töten sieben al-Qaida-Kämpfer

Im Osten Afghanistans haben Soldaten der US-geführten Koalitionstruppen sieben mutmaßliche Kämpfer des Terrornetzwerks al-Qaida getötet. Eine Behörde vor Ort sprach mit Blick auf die Toten jedoch von Zivilisten.


Kabul - Ein Sprecher der Koalitionstruppen teilte heute mit, die Koalitionsstreitkräfte seien in der Provinz Kunar an der Grenze zu Pakistan unter Beschuss geraten. Sie hätten sofort das Feuer erwidert und dabei sieben al-Qaida-Aktivisten getötet. Bei dem Einsatz sei auch ein Kind ums Leben gekommen. Das zwischen zehn und zwölf Jahre alte Kind und eine Frau, die bei dem Schusswechsel verletzt wurde, seien in der Nähe der Qaida-Leute gewesen, sagte der Sprecher weiter. Bei dem Einsatz wurden den Angaben zufolge vier Kämpfer festgenommen, weitere konnten fliehen. Zahlreiche Waffen, Munition und Granaten seien beschlagnahmt worden.

Eine örtliche Behörde widersprach den Angaben der Koalitionstruppen und erklärte, bei dem Gefecht seien sieben Zivilisten getötet worden. Das Militär habe in der Dämmerung am Morgen ein Haus in Kunar angegriffen, sagten Mitarbeiter der dortigen Verwaltung.

Wie die örtlichen Vertreter erklärten, hatten sich in dem betroffenen Gebäude Dorfälteste zu einer Beratung getroffen. Ein führender Polizist wiederum widersprach Angaben der Provinzbehörden, nach denen es sich um einen Luftangriff gehandelt habe. "Die Zivilisten wurden erschossen", sagte der Polizist.

Kunar liegt nahe der Grenze zu Pakistan. Die radikal-islamischen Taliban und ihre Verbündeten sind dort vermehrt aktiv, seit die US-geführten Truppen das Taliban-Regime vor fünf Jahren stürzten. Seit Anfang des Jahres haben die Extremisten ihre Anschläge deutlich verstärkt und eine neue Welle der Gewalt ausgelöst. Etwa 2000 Menschen, darunter mehr als 90 ausländische und zahlreiche afghanische Soldaten, kamen in diesem Jahr ums Leben, vor allem im Osten und Süden.

Der Norden Afghanistans gilt hingegen bislang als weitgehend sicher. Dort ist die Bundeswehr vorwiegend im Einsatz und hilft beim Wiederaufbau.

phw/AFP/reuters



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