Afghanistan Koalitionstruppen töten über 600 Taliban

Es sind die blutigsten Wochen in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001: Bei ihrer Offensive gegen Extremisten im Süden des Landes haben die US-geführten Koalitionstruppen zuletzt mehr als 600 Kämpfer getötet. Doch der Widerstand ist noch nicht gebrochen.


Kabul - "Operation Mountain Thrust" ist der Titel der nunmehr sechs Wochen anhaltenden Offensive der US-geführten Koalitionstruppen und der afghanischen Streitkräfte im Süden Afghanistans. Dort, wo sich die Hochburgen der Taliban befinden, ist die Lage am Hindukusch noch immer am gefährlichsten. Weil jedoch schon bald die von der Nato geführte internationale Sicherheitstruppe (Isaf) auch hier den Wiederaufbau des Landes vorantreiben soll, machen die USA und ihre Verbündeten verstärkt Jagd auf Taliban und al-Qaida-Kämpfer, die in den vergangenen Monaten immer aggressiver agierten. Die Zahl der Anschläge und Überfälle auf Koalitionstruppen hatte zuletzt stark zugenommen.

US-Soldaten In der Provinz Kandahar an Ort eines Anschlags: Der Widerstand der Taliban ist ungebrochen
REUTERS

US-Soldaten In der Provinz Kandahar an Ort eines Anschlags: Der Widerstand der Taliban ist ungebrochen

Nach Militärangaben wurden bei der Offensive bislang mehr als 600 mutmaßliche Extremisten getötet. Die Aufständischen seien in Gefechten seit Beginn der Operation am 10. Juni ums Leben gekommen, sagte Truppen-Sprecher Tom Collins heute. Trotz der Offensive steht der Isaf, die bereits im Westen und Norden eingesetzt ist und sich nicht an der Verfolgung der Taliban beteiligt, in der Region möglicherweise der härteste Einsatz von Nato-Bodentruppen in der Geschichte des Bündnisses bevor.

Denn der Widerstand der Taliban ist nach wie vor nicht gebrochen. So kam es gestern zu neuen Gefechten zwischen Koalitionstruppen und Aufständischen. Dabei kamen mindestens sieben mutmaßliche Extremisten ums Leben. Auch ein Soldat der internationalen Truppen sei bei den Kämpfen getötet worden. In der südlichen Provinz Kandahar starben gestern zwei Mitglieder der Koalitionstruppen, als ihr Konvoi auf dem Weg nach Kabul von einem Selbstmordattentäter attackiert wurde. Zuletzt hatten die Taliban im Süden sogar zwei Distrikte erobern können. Sie wurden kurze Zeit später von US-Truppen und afghanischen Streitkräften wieder vertrieben.

Erstmals griffen Taliban-Kämpfer auch im Westen Afghanistans an. In der Provinz Farah, die bislang weitestgehend von der Gewalt verschont geblieben war, war ein Polizeihauptquartier das Ziel. Am späten Sonntagabend rasten etwa 35 Geländewagen in die Stadt Bakwa, Hunderte Kämpfer überfielen daraufhin offiziellen Angaben zufolge mit Maschinengewehren und Granatwerfern bewaffnet die Polizeistation und Behörden des Ortes. Drei Polizisten wurden bei dem rund fünf Stunden dauernden Gefecht getötet, sieben weitere verletzt. Die Angreifer hätten sich später wieder in Richtung der Taliban-Hochburgen in der Provinz Helmand zurückgezogen.

Ebenfalls in Farah töteten Sicherheitskräfte vier mutmaßliche Selbstmordattentäter, die auf mit Sprengstoff beladenen Motorrädern unterwegs waren. Zwei der Extremisten seien erschossen worden, die beiden anderen starben, als ihre mitgeführten Bomben unter dem Beschuss explodierten. Ein unbeteiligter Junge wurde dabei ebenfalls getötet. In der westlichen Provinz Ghor töteten Extremisten einen Arzt der Hilfsorganisation World Vision und seinen Fahrer.

Bei der Explosion eines Sprengsatzes am Straßenrand in der afghanischen Hauptstadt Kabul wurden zwei Insassen eines Taxis getötet. Drei weitere Personen in dem Taxi sowie ein Lastwagenfahrer seien verletzt worden, berichtete die Polizei. Die Bombe sei detoniert, nachdem ein Konvoi ausländischer Truppen vorbeigefahren sei.

Die Bundeswehr kommandiert den Isaf-Einsatz im relativ ruhigen Norden Afghanistans. Hier sind 2800 Soldaten in Masar-i-Scharif, Faisabad und Kundus eingesetzt. Die Bundeswehr ist auch in Kabul präsent.

phw/AP/Reuters



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