Afghanistan-Konferenz Lob für die Uno, Kritik an den USA

Zum Auftakt der Afghanistan-Konferenz in Berlin hat Gerhard Schröder eine positive Bilanz der bisherigen Aufbauhilfe gezogen. Der Kanzler stellte die Politik der internationalen Gemeinschaft am Hindukusch als vorbildliches Gegenbeispiel zur Irak-Politik der USA dar.




Karzai und Schröder
AP

Karzai und Schröder

Berlin - Schröder bezeichnete die Aufbauhilfe für Afghanistan als positives Beispiel für den internationalen Kampf gegen Terrorismus. "Die positive Entwicklung Afghanistans zeigt, was erreicht werden kann, wenn wir unsere Kräfte bündeln", sagte Schröder zur Eröffnung der internationalen Afghanistan-Konferenz heute in Berlin.

"Die Vereinten Nationen haben eine Schlüsselrolle übernommen und sind ihrer Verantwortung auf ganz hervorragende Weise gerecht geworden." Die Internationale Gemeinschaft helfe dem Land, "weil ein solches friedliches Afghanistan ein Anker für größere politische Stabilität in der Region ist und ein Beweis dafür, dass es sich für die Menschen auszahlt, wenn sie sich gegen Terror und Gewalt wenden."

Bereits im Vorfeld der Konferenz hatte die Bundesregierung deutlich werden lassen, dass sie das Vorgehen der internationalen Gemeinschaft als positives Gegenbild zum umstrittenen Vorgehen der USA im Irak betrachtet.

Schröder bekräftigte, dass Deutschland für den Aufbau bis 2008 wie bisher 80 Millionen Euro jährlich als Aufbauhilfe zahlen werde: "Für die nächsten vier Jahre werden wir weitere 320 Millionen Euro zur Verfügung stellen." Afghanistan sei ein Land im Aufbruch, das noch auf lange Zeit Hilfe und Unterstützung benötige, auch militärische. "Wir brauchen einen langen Atem. Und wir haben ihn auch", sagte der Kanzler.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai sieht den Friedensprozess in seinem Land trotz Fortschritten beim Wiederaufbau bedroht. Zweieinhalb Jahre nach dem Sturz der Taliban seien regionale Kriegsherren, die Drogenproduktion und die schlechte Sicherheitslage die großen Herausforderungen für Afghanistan, sagte Karzai. Karzai rief die Staatengemeinschaft auch zu verstärkter Hilfe im Kampf gegen den Drogenanbau auf.

Von der Konferenz werden auch weitere Finanzzusagen für den Aufbau erwartet. Bei einer Geberkonferenz im Jahr 2002 waren dem Land 4,5 Milliarden Euro zugesagt worden. Afghanistan und die USA drängen auf neue finanzielle Verpflichtungen. Zu den Problemen, die bei der Konferenz besprochen werden, gehören die instabile Sicherheitslage vor allem in den von Kriegsfürsten beherrschten Provinzen und der verbreitete Drogenanbau.

Auf der zweitägigen Konferenz wollen Politiker aus rund 50 Ländern, darunter Afghanistans Präsident Karzai und US-Außenminister Colin Powell, über weitere politische und finanzielle Aufbauhilfe beraten. Das Land war nach jahrelangem Bürgerkrieg und der Herrschaft der radikal-islamischen Taliban weitgehend zerstört. Karzai führt eine Übergangsregierung, die sich im September den ersten freien Wahlen seit Jahrzehnten stellen will. Für den politischen Aufbau hatte sich Deutschland unter anderem als Gastgeber von zwei Afghanistan-Konferenzen auf dem Petersberg bei Bonn eingesetzt. Deutschland stellt rund 2000 Mann der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (Isaf).



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