Afghanistan-Konferenz Nordallianz beugt sich Druck der USA

Ohne Endergebnis wurde die vermutlich letzte Nachtsitzung der Afghanistan-Konferenz beendet. Aber eine Einigung ist in greifbare Nähe gerückt, nachdem sich die Nordallianz dem harten Druck aus den USA beugte und Namen für eine Übergangsregierung genannt hat. Jetzt sind die letzte Machtfragen zu klären: Wer wird Minister in der Interimsregierung, und wer wird ihr Chef?

Von Holger Kulick, Bonn


Kein Ende in Sicht. Der Kampf um die Köpfe bremst den Afghanistan-Gipfel auf dem Petersberg bei Bonn
AP

Kein Ende in Sicht. Der Kampf um die Köpfe bremst den Afghanistan-Gipfel auf dem Petersberg bei Bonn

Königswinter - Möglicherweise kann die Afghanistan-Konferenz schon heute beendet werden. Denn die Delegierten haben nach leichten Text-Änderungen ein Kompromisspapier der Uno gebilligt. Nun wir nur noch um die Ressortverteilung gestritten. Die Delegation der Vereinigten Front (Nordallianz) steuerte allerdings erst nach einer Intervention der US-Delegation ihre Namensliste bei. Über die Frage, wer Regierungschef wird, soll am Vormittag entschieden werden.

Die Vereinigte Front hatte sich zunächst als einzige Delegation geweigert, sich an der Ressortverteilung zu beteiligen. Allianzführer Rabbani wollte darüber erst in Kabul entscheiden. Dieses Spiel auf Zeit nahmen die anderen Delegationen nicht hin. Der Leiter der amerikanischen Beobachterdelegation instrumentalisierte daraufhin Journalisten und verkündete in einem kurzfristig einberufenen Pressebriefing am späten Montagabend eine deutliche Mahnung: Es gebe auf der Seite der Nordallianz offenbar "grundsätzliche Einwände", "diesen Prozess hier in Bonn zu einem Abschluss zu bringen."

Wirksame Diplomatenworte

Wenn die Namensliste nicht im Laufe der Nacht vorgelegt würde, dann sei er "sehr besorgt, dass die Chancen, ein Abkommen zu erreichen, unter 50 Prozent liegen", sagte Dobbins. Zugleich telefonierte ein US-Diplomat direkt mit Präsident Rabbani in Kabul. Mit Erfolg: Die Nordallianz übergab ihre Namensliste für die entscheidende Verhandlungsrunde um die Macht in Afghanistan.

Sollte es dann zu einer Einigung kommen, wäre die letzte Hürde genommen. Dann müssen die Delegierten nur noch einmal Satz für Satz alle Änderungsvorschläge für eine Abschlusserklärung durchgehen, die dann in drei Sprachen übersetzt werden muss: Englisch, Dari, Paschtu. Das raubt noch Zeit, so dass noch nicht fest steht, ob die Übereinkunft bereits am Dienstagabend oder erst am Mittwoch offiziell unterzeichnet werden könnte. Dazu wollen als Gastgeber der Konferenz auch der Bundeskanzler und Außenminister Fischer auf den Petersberg kommen. Doch ob sich ihre Reisepläne lohnen, ergibt sich erst im Verlauf der Sitzung am Vormittag.



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