Afghanistan Massenfestnahme mutmaßlicher Taliban

Seit Beginn des Irak-Kriegs werden auch aus Afghanistan wieder heftige Gefechte gemeldet. Mehrere Militäreinrichtungen wurden von Raketen getroffen. Amerikanische Soldaten und der afghanische Geheimdienst schlugen jetzt zurück.




US-Soldaten: Auf der Suche nach versteckten Al-Qaida-Kämpfern
AP

US-Soldaten: Auf der Suche nach versteckten Al-Qaida-Kämpfern

Bagram/Kabul - Bei der Fahndung ist dem afghanischen Geheimdienst offenbar ein Schlag gegen Taliban gelungen, die sich neu formieren wollten. Im Osten und Süden Afghanistans seien in den vergangenen Tagen 132 mutmaßliche Taliban festgenommen worden, teilten die Behörden am Montag in Kabul mit. Asadullah Chalid, der Gouverneur der Provinz Ghasni, sagte, zu den Festgenommenen zähle auch der frühere Vize-Erziehungsminister Asadullah Sarwarsai.

Er habe gestanden, dass er Taliban-Kämpfer habe zusammenbringen wollen und dass er an der Ermordung von Abdul Karsai beteiligt gewesen sei, sagte Chalid. Der Vater des heutigen Präsidenten Hamid Karsai war 1999 in Pakistan getötet worden.

Zwei Verdächtige getötet

Zuvor hatten amerikanische Soldaten nach einer Serie von Raketenanschlägen auf US-Militärstützpunkte bei einem Gegenangriff mindestens zwei Verdächtige getötet. Unbekannte feuerten mehr als ein Dutzend Raketen und Mörser auf eine US-Einrichtung nahe der Stadt Shkin in der ostafghanischen Provinz Paktika.

Bereits am Sonntag war eine Rakete gezielt auf das ISAF-Hauptquartier in Kabul abgeschossen worden. Sie richtete Sachschaden an, niemand wurde verletzt. Bei dem Angriff auf den US-Stützpunkt wurde laut Militärsprecher Oberst Roger King ebenfalls niemand verletzt. Im Anschluss an den Angriff vom Sonntag feuerten die US-Streitkräfte aus einem Kampfflugzeug auf drei fliehende Fahrzeuge. Dabei seien nach ersten Erkenntnissen zwei der verdächtigen Insassen getötet worden, sagte King. Ebenfalls am späten Sonntagabend wurden ein US-Posten in der ostafghanischen Stadt Gardez sowie ein militärisches Trainingszentrum in Kabul mit Raketen beschossen.

Aufruf zum heiligen Krieg

Talibankämpfer in Pakistan sagten, sie hätten sich gesammelt und eine Allianz mit al-Qaida-Mitgliedern sowie Kämpfern von Hekmatjar gebildet. Sie kündigten weitere Anschläge an. Ungeachtet der Angriffe gingen weder die ISAF in Kabul noch das US-Hauptquartier auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram offiziell von einem höheren Sicherheitsrisiko seit Beginn des Golfkriegs aus. Der flüchtige Talibanführer Mullah Mohammed Omar rief indes zum Heiligen Krieg gegen amerikanische Soldaten und die sie unterstützenden Afghanen auf.



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