Afghanistan Mehrere deutsche Soldaten bei Anschlag auf Konvoi verletzt

War es ein Racheakt für den von der Bundeswehr angeforderten, verheerenden Luftschlag? In Afghanistan hat es erneut einen Anschlag auf deutsche Soldaten gegeben - er galt einem Konvoi. Dabei wurden mindestens drei Soldaten verletzt.
Bundeswehr-Soldat am Ort des Anschlags: Drei Verletzte und ein zerstörtes Auto

Bundeswehr-Soldat am Ort des Anschlags: Drei Verletzte und ein zerstörtes Auto

Foto: Musadeq Sadeq/ AP

Kunduz - Noch ist nicht genau bekannt, was passiert ist. Klar ist lediglich, dass nur einen Tag nach dem von der Bundeswehr angeforderten Nato-Luftangriff in Afghanistan ein Anschlag auf die deutschen Truppen verübt wurde. Der Gouverneur der Provinz Kunduz, Mohammed Omar, sagte SPIEGEL ONLINE, seinen Informationen zufolge sei ein Auto explodiert, als eine Patrouille der Bundeswehr nahe dem Ort Baghie Milie daran vorbeifuhr. Ein Fahrzeug der Bundeswehr sei beschädigt worden, und drei deutsche Soldaten hätten leichte Verletzungen erlitten.

Laut AP war die Wucht der Detonation so stark, dass sie im nahe gelegenen Bundeswehrstützpunkt zu spüren gewesen sei. Es sei mitgeteilt worden, dass der Stützpunkt Ziel eines Anschlags gewesen ist. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam bestätigte, dass es etwa fünf Kilometer nordöstlich von Kunduz einen Anschlag gegeben hat. Die afghanischen Behörden bestätigten eine Detonation bei Kunduz.

Zu der Tat bekannten sich in einem Telefonat mit SPIEGEL ONLINE die Taliban.

Am Freitag hatte ein Nato-Kampfjet im Auftrag der Bundeswehr einen Luftangriff in der Region geflogen und dabei nach afghanischen Angaben mehr als 70 Menschen in den Tod gerissen. Nach einem Taliban-Überfall auf zwei ihrer Tanklastzüge hatten die deutschen Truppen Luftunterstützung angefordert, um einem Anschlag auf die Bundeswehr vorzubeugen, wie Verteidigungsstaatssekretär Thomas Kossendey erklärte.

Zur Zahl der Opfer gab es widersprüchliche Angaben. Der Bundeswehr zufolge wurden ausschließlich Aufständische getötet - vermutlich rund 50 Taliban-Kämpfer. Nach afghanischen Angaben kamen aber auch viele Zivilpersonen ums Leben. Der Gouverneur der betroffenen Gegend, Mohammed Omar, gab die Zahl der Opfer mit mindestens 72 an. Etwa 30 von ihnen seien als Aufständische identifiziert worden. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen schloss die Möglichkeit ziviler Opfer nicht aus und kündigte eine gründliche Untersuchung an. Ein zehnköpfiges Ermittlerteam der Nato sollte am Samstag den Ort des Luftangriffs in Augenschein nehmen und auch das Krankenhaus von Kunduz besuchen, wo Verletzte behandelt wurden.

ler/AP/dpa