Afghanistan Mindestens elf Tote nach Taliban-Attacke auf Gericht

Bei einem Taliban-Angriff auf ein Provinzgericht im Norden Afghanistans sind etwa ein Dutzend Menschen getötet worden, darunter auch Zivilisten. Die Sicherheitskräfte griffen erst nach Stunden ein.

Sicherheitskräfte vor dem beschädigten Gerichtsgebäude: Terror in Afghanistan
AFP

Sicherheitskräfte vor dem beschädigten Gerichtsgebäude: Terror in Afghanistan


Im afghanischen Masar-i-Scharif sind bei einem Überfall auf ein Gericht mindestens elf Menschen getötet worden. Erst nach sechs Stunden hätten Sicherheitskräfte die Gefechte mit den radikalislamischen Taliban-Angreifern beenden können, sagte der Polizeichef der Provinz Balch, Abdul Rasik Kaderi. 66 Menschen wurden demnach dabei verletzt.

Die Taliban bekannten sich zu dem Angriff. Ein Sprecher der Terrororganisation sagte, Selbstmordattentäter hätten den Anschlag verübt. Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, stürmten am Morgen "drei bis fünf" Bewaffnete mit Sprengstoffgürteln und Militäruniformen den Gebäudekomplex des Berufungsgerichts. Berichten zufolge warfen die Taliban-Kämpfer Handgranaten. Mehrere Explosionen waren zu hören, ein Gebäude auf dem Gelände geriet in Brand.

Offiziellen Angaben zufolge kamen bei dem Gefecht fünf Sicherheitskräfte und fünf Zivilisten ums Leben. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE waren unter den Verletzten unter anderem Polizisten, Frauen und Kinder. Zudem seien alle Taliban-Angreifer getötet worden, hieß es weiter. Die genaue Zahl der getöteten Angreifer nannte ein Sprecher des Innenministeriums in Kabul nicht.

Tatort nahe des Bundeswehr-Stützpunkts

Masar-i-Scharif ist der letzte Standort der Bundeswehr im Norden Afghanistans. Das Bundeswehr-Feldlager liegt am Flughafen außerhalb der Stadt. Dort sind derzeit gut 660 deutsche Soldaten stationiert. Die Bundeswehr war nach Angaben des Einsatzführungskommandos nicht in die Gefechte involviert.

Die afghanische Armee und Polizei sind seit Anfang des Jahres selbst für die Sicherheit im Land verantwortlich. Zum Jahreswechsel war der Nato-geführte Isaf-Kampfeinsatz in Afghanistan nach 13 Jahren zu Ende gegangen. An der Folgemission "Resolute Support" zur weiteren Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte durch Ausbildung und Beratung sind etwa 12.000 Soldaten aus 40 Staaten beteiligt, darunter bis zu 850 Bundeswehrsoldaten.

Erst am Mittwoch war erstmals seit dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes in Afghanistan ein US-Soldat getötet worden, der Mitglied der neuen Nato-Ausbildungsmission Resolute Support war. Das Feuer wurde von einem afghanischen Soldaten eröffnet, sagte der Polizeichef der afghanischen Provinz Nangarhar SPIEGEL ONLINE. Bei der Schießerei seien zudem drei US-Soldaten und ein afghanischer Soldat verletzt worden.

mxw/dpa/AFP/Mitarbeit: Shoib Najafizada



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