Afghanistan Taliban töten mindestens 41 Sicherheitskräfte

Die afghanische Regierung beherrscht inzwischen nur noch etwas über die Hälfte des Landes. Bei Angriffen der Taliban kamen Soldaten und Polizisten ums Leben, die im Norden des Landes Kontrollposten bewacht hatten.

Afghanische Sicherheitskräfte in Kabul (2018)
HEDAYATULLAH AMID/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Afghanische Sicherheitskräfte in Kabul (2018)


Bei Gefechten in Nordafghanistan haben die radikalislamischen Taliban mindestens 41 Sicherheitskräfte getötet. Die Terrormiliz griff in der Nacht zu Dienstag drei Kontrollposten am Rande von Kundus an, wie ein lokaler Provinzrat mitteilte. Es seien mindestens 27 Soldaten und drei Polizisten getötet sowie mehr als zehn Menschen verletzt worden.

Auch in der benachbarten Provinz Baghlan kamen mindestens elf Polizisten ums Leben. Drei weitere Polizisten seien verwundet worden, als Taliban-Kämpfer im Gebiet Baghlan-e Markasi einen Kontrollposten angriffen.

Die radikalislamischen Taliban greifen fast täglich Stützpunkte und Kontrollposten der afghanischen Sicherheitskräfte an. Nach Militärangaben beherrscht die Regierung inzwischen nur noch wenig mehr als die Hälfte der Bezirke des Landes. Weitere rund 30 Prozent sind umkämpft.

USA verhandeln über Afghanistans Zukunft

Die USA verhandeln seit Monaten in Katar über die Zukunft Afghanistans. Dort spricht der US-Delegationsleiter Zalmay Khalilzad mit den Taliban - die Regierungsvertreter aus Kabul sitzen nicht mit am Tisch. Zuletzt hatte Khalilzad "signifikante Fortschritte" in den Verhandlungen verkündet. Er versucht, ein Ende des seit fast zwei Jahrzehnten andauernden Krieges zu erreichen. Es gebe "einen Entwurf für einen Vertragsrahmen", zitierte die "New York Times" den Sondergesandten.

Im Januar 2018 hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen noch versichert, dass auch Deutschland sich im Falle eines Abzugs der Amerikaner vom Hindukusch zurückziehen werde. Zuletzt aber waren Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags zu Afghanistan befragt worden. Beide hatten erklärt, sie seien bislang nicht offiziell von der US-Regierung von einer Truppenreduzierung unterrichtet worden.

Die anhaltende Gewalt in Afghanistan ist der Hauptgrund für die Verschiebung der Präsidentschaftswahlen um drei Monate auf Juli dieses Jahres. Seit 2014 sind nach Angaben der Regierung in Kabul 45.000 afghanische Soldaten gefallen. Die Zivilbevölkerung leidet unter den Kämpfen - und unter extremer Armut: Mehr als die Hälfte der Afghanen haben laut offiziellen Statistiken täglich umgerechnet einen Dollar zum Überleben zur Verfügung.

lmd/dpa



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