Afghanistan Minister gelyncht

Wütende Pilger haben den afghanischen Minister für Luftverkehr und Tourismus, Abdul Rahman, auf dem Flughafen von Kabul erschlagen. Grund waren offenbar Gerüchte über einen abgesagten Flug.


Abdul Rahman wurde von wütenden Pilgern getötet
DPA

Abdul Rahman wurde von wütenden Pilgern getötet

Kabul/Islamabad - Ein Sprecher der Übergangsregierung sagte am Freitag in Kabul, Rahman sei bei dem Angriff der Menschenmasse schwer verletzt worden und später im Krankenhaus gestorben. Das berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP.

Etwa tausend Pilger, die auf ihren Abflug nach Mekka in Saudi-Arabien warteten, hatten Rahman am Donnerstag angegriffen, nachdem es Gerüchte gegeben hatte, dass ihr Flug abgesagt worden sei. Der britische Sender BBC berichtete, es habe keine Festnahmen gegeben. Alle Gläubigen seien zu ihrer Pilgerreise abgeflogen.

Die Leibwächter des Ministers seien nicht in der Lage gewesen, Rahman zu beschützen, berichtete die BBC weiter. Auch Soldaten der internationalen Schutztruppe in Afghanistan (Isaf) hätten den Minister nicht retten können. Die Pilger hätten bei Minustemperaturen bereits zwei Tage auf ihren Flug in die heilige Stadt gewartet.

Rahman war laut einem Regierungssprecher zum Flughafen gekommen, weil er nach Neu-Delhi reisen wollte. Die wartenden Pilger blockierten fünf Stunden lang die Maschine des Ministers. Dieser stieg schließlich aus, um die Menge zu beruhigen. Dem Regierungssprecher zufolge wurde er jedoch sofort angegriffen und dabei tödlich verletzt. Auch mehrere Pilger hätten bei dem Handgemenge Verletzungen erlitten. Rahman, 50, gehörte zur Nordallianz und war einer der Minister, die unter Hamid Karzai die Übergangsregierung Afghanistans bilden.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.