Afghanistan Nato fordert deutlich mehr deutsche Soldaten

Die Nato verlangt zusätzliche Soldaten für den Norden Afghanistans. Vor allem Frankreich und Deutschland, das dort das Regionalkommando hat, sind gefragt. Die Größenordnung liegt bei bis zu 3000 Mann.
Bundeswehr nahe Kunduz: Die Nato will mehr deutsche Soldaten in Afghanistan sehen

Bundeswehr nahe Kunduz: Die Nato will mehr deutsche Soldaten in Afghanistan sehen

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Mons - Deutschland muss nach Ansicht der Nato-Militärs im kommenden Jahr mehr Soldaten als bisher in den Norden Afghanistans schicken. Der Stabschef im militärischen Hauptquartier der Nato, der deutsche General Karl-Heinz Lather, sagte am Montag im belgischen Mons, es sei eine Truppenaufstockung "in der Größenordnung von zwei Manöverelementen" nötig. Gemeint sind damit zwei Bataillone von jeweils zwischen 250 und 1500 Mann. Es war das erste Mal, dass die Nato für den unter deutschem Kommando stehenden Norden Afghanistans eine umrissartig bezifferte Anforderung bekanntgab. Die Bundesregierung hatte stets betont, dass über eine mögliche Truppenaufstockung erst nach der Afghanistan-Konferenz Ende Januar entschieden werde. Auch Frankreich will erst nach der Konferenz entscheiden.

Die bisherige Obergrenze von 4500 Bundeswehrsoldaten würde mit der Anforderung vom Montag um mindestens 500 erhöht, vermutlich aber mehr. Lather sagte, über die Frage, wie groß die beiden Bataillone sein sollten, müssten Militärexperten entscheiden. Insgesamt sind laut Nato bisher im Norden des Landes 5700 Soldaten stationiert - neben den Deutschen noch Kroaten, Ungarn, Belgier, Norweger, Schweden, Finnen und Türken.

Deutschland und Frankreich sind die beiden wichtigsten Nato-Länder, die sich erst nach der internationalen Afghanistan-Konferenz vom Januar kommenden Jahres entscheiden wollen, ob sie zusätzliche Soldaten schicken. Damit soll die Übergabe der Sicherheitsverantwortung und ein Teil-Abzug 2011 vorbereitet werden. Lather sagte, er gehe davon aus, dass Deutschland die Obergrenze der Bundeswehrsoldaten erhöhen werde. Es gehe darum, "auch die vernünftige Balance zu finden zwischen dem militärischen und dem zivilen Element".

Rückendeckung für Oberst Klein

Oberst Georg Klein

Kunduz

Der deutsche Vier-Sterne-General Lather, einer der höchsten Nato-Generäle, stellte sich auch vor den deutschen , der im September den Luftschlag gegen zwei Tanklastzüge bei anordnete. "Ich denke, das war ein Ziel, ein militärisch legitimes Ziel - wenn sie annehmen, dass wir uns in kriegsähnlichen Zuständen befinden", sagte Lather. Zur Frage, ob er die Tanklastzüge oder aufständische Taliban für ein legitimes militärisches Ziel halte, sagte er: "Das ist eine Kombination von beidem. Denn diese Tanklastzüge wären ja möglicherweise, wie wir das eine Woche zuvor in Kandahar erlebt hatten, als Bombe benutzt worden." Der Oberst habe keine Bodentruppen zur Verfügung gehabt. Auf die Frage, ob der deutsche Offizier in Kunduz zu wenig Soldaten gehabt habe, sagte Lather: "Nach allem, was ich weiß und gesehen habe: Ja."

Das Handeln des deutschen Oberst dürfe nicht nach deutschem Zivilrecht bewertet werden: "Ich denke, wir müssen politisch, rechtlich und militärisch erkennen, dass wir in einer Situation sind, die anders ist als reine Stabilisierung." Es herrschten zumindest in Teilen Afghanistans kriegsähnliche Zustände: "Ich finde, in letzteren befinden wir uns deutlich. Und damit ändern sich die rechtlichen Bedingungen, unter denen Soldaten dort handeln können." Ob das Handeln des deutschen Oberst angemessen gewesen sei, könne er nicht beurteilen: "Die Entscheidung, wie Sie dann konkret vor Ort handeln in der taktischen Situation, in der sich Oberst Klein befunden hat, das bedarf der Einzelbewertung. Das ist aus meiner Sicht eher eine Anekdote, ein einzelnes Handeln." Auch künftig seien Luftschläge gegen die Taliban keineswegs auszuschließen.

Barack Obama

Isaf

US-Präsident hatte Anfang Dezember die Entsendung von zusätzlich 30.000 US-Soldaten angekündigt. Die Nato sagte beim Außenministertreffen in Brüssel bereits 7000 weitere Soldaten zu. Derzeit zählt die Internationale Afghanistan-Truppe ( ) gut 83.000 Soldaten, davon stellen die USA mehr als die Hälfte.

ler/dpa/AFP