Afghanistan Nato-Soldat in Frühjahrsoffensive getötet - Taliban melden Entführungen

Stunden nach Beginn der "Operation Achilles" in Afghanistan ist der erste Soldat der Nato-geführten Truppen getötet worden. Die Taliban verkünden die Entführung eines Briten und zweier Afghanen.


Kabul - Die Nato-geführte Internationale Schutztruppe Isaf hatte am Dienstagmorgen ihre Frühjahrsoffensive gegen die Taliban im umkämpften Süden Afghanistans begonnen. Stunden später die Nachricht vom ersten Toten der "Operation Achilles": Die Schutztruppe teilte mit, ein Soldat sei bei den Kämpfen getötet worden. Zur Nationalität des Toten und zum Ort der Kämpfe machte die Nato keine Angaben. In der Provinz Helmand, wo der Einsatz begann, sind vor allem britische Soldaten stationiert.

Gefechte in Helmand: Britische Isaf-Soldaten in Afghanistan (während einer Offensive im Januar)
Gaz Faulkner

Gefechte in Helmand: Britische Isaf-Soldaten in Afghanistan (während einer Offensive im Januar)

Zu den drei Geiseln teilten die Taliban mit, sie seien in der südafghanischen Provinz Helmand verschleppt worden. Einige Medien berichten, bei den schon gestern Entführten handle es sich um Journalisten. Die Extremisten haben bisher keine Forderungen gestellt und auch keine näheren Angaben zu den Geiseln gemacht.

Mit Beginn der Nato-Offensive wurde heute auch die Website der Taliban vom Internetprovider der Rebellen in Pakistan gesperrt. Besucher der Seite werden auf eine Internetseite umgeleitet, auf der mitgeteilt wird, das Kundenkonto sei suspendiert. Einer der möglichen Gründe für die Sperre sei die Verbreitung illegaler Inhalte. Als Kontakt wurden die Internet- und E-Mail-Adresse eines Anbieters im pakistanischen Peschawar nahe der Grenze zu Afghanistan angegeben.

Gestern waren die Taliban publizistisch noch einsatzfähig: Auf einer dschihadistischen Website, die auch die Qaida-Filialen im Irak, in Marokko und Saudi-Arabien für ihre Propaganda nutzen, verbreiteten die Gotteskrieger noch am Montagabend ein arabischsprachiges "Nachrichten-Communique", das SPIEGEL ONLINE vorliegt. Darin prahlen die Taliban unter anderem mit der Zerstörung dreier Fahrzeuge der "Uno-Besatzer-Kräfte" und der Tötung dreier afghanischer Soldaten. Unterzeichnet ist das Dokument vom "Offiziellen Sprecher des Islamischen Emirats Afghanistan - Taliban", Qari Muhammad Jusuf.

5500 Soldaten in der Offensive

Die Nato-Offensive hatte heute Morgen um 5 Uhr begonnen. Die ersten Kräfte der "Operation Achilles" hätten ihre Positionen gegen 5 Uhr (Ortszeit) in der Provinz Helmand bezogen, teilte das Militärbündnis mit. Auf dem Höhepunkt werde die Operation mehr als 4500 Isaf-Soldaten und knapp 1000 afghanische Sicherheitskräfte umfassen.

Der Isaf-Regionalkommandeur Generalmajor Ton van Loon sagte, es handele sich um die bislang größte gemeinsame Operation von Isaf- und afghanischen Truppen. Die "Operation Achilles" sei auf Bitten der afghanischen Regierung begonnen worden und solle zunächst Sicherheit in den Norden Helmands bringen. Dort haben die Taliban seit mehr als einem Monat den Distrikt Musa Kala unter ihrer Kontrolle.

Die Isaf teilte mit, die Operation werde sich zwar zunächst auf eine Verbesserung der Sicherheitslage konzentrieren. Übergeordnetes Ziel sei aber, die afghanische Regierung dazu zu befähigen, mit dem Wiederaufbau und der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region zu beginnen.

Die Taliban haben ebenfalls eine Frühjahrsoffensive und eine Welle an Selbstmordanschlägen angekündigt. Angeblich warten 10.000 Kämpfer auf den Beginn ihrer Kämpfe. Der Kommandeur der radikalen Muslime im Süden des Landes, Mullah Abdul Rahim, sagte Mitte Februar per Satellitentelefon aus seinem Versteck, die Kriegsvorbereitungen seien besonders im Süden des Landes und in der Helmand-Provinz abgeschlossen. Zudem sprachen die Taliban von 2000 Selbstmordattentätern, die bereitstünden. Weitere 3000 würden ausgebildet. Im vergangenen Jahr kamen die meisten Menschen seit dem Sturz der Taliban 2001 bei Gewalttaten vor allem im Süden des Landes ums Leben - über 4000 Menschen wurden getötet, ein Viertel von ihnen waren Zivilisten.

35.000 Isaf-Soldaten aus 37 Ländern sind derzeit am Hindukusch stationiert. Die Amerikaner, bisher mit 22.000 Mann in Afghanistan vertreten, davon 13.000 unter Isaf-Kommando, wollen kurzzeitig um 3200 Soldaten aufstocken.

Neben der Isaf operieren in Afghanistan auch noch die US-geführten Koalitionstruppen der Mission "Enduring Freedom", die nach Terroristen suchen.

ler/yas/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.