Afghanistan Nato-Soldaten sollen Verwandten einer Abgeordneten erschossen haben

Wütende Proteste gegen die Schutztruppe Isaf in Afghanistan: US-Soldaten haben einer Abgeordneten zufolge bei einer Razzia einen ihrer Angehörigen erschossen. Die Nato erklärte, es sei eine bewaffnete Person getötet worden.
Wütende Afghanen nach Tod eines Landsmannes: "Barbarische Tat"

Wütende Afghanen nach Tod eines Landsmannes: "Barbarische Tat"

Foto: Rahmat Gul/ AP

Kabul - US-Soldaten sollen in Afghanistan den Verwandten einer Parlamentsabgeordneten erschossen haben. Die Parlamentarierin Safia Sidiqui erklärte, die Soldaten seien in der Nacht zum Donnerstag in ihr Haus in der ostafghanischen Provinz Nangarhar eingedrungen. Ihre Brüder hätten zunächst gedacht, es handle sich um Einbrecher. "Einer meiner Verwandten hat sich eine Waffe genommen und ist rausgegangen. Dort haben ihn die Soldaten erschossen", erklärte Sidiqui. Sie selbst sei aber nicht dabei gewesen. Die Abgeordnete sprach von einer "barbarischen Tat".

Die Nato erklärte, bei der gemeinsamen Razzia mit afghanischen Sicherheitskräften sei eine bewaffnete Person auf der Suche nach einem Taliban-Unterstützer getötet worden. Die Person sei aufgefordert worden, die Waffe niederzulegen, habe die von einem Dolmetscher übersetzte Aufforderung jedoch ignoriert.

Dass es sich bei dem Toten um ein Familienmitglied Sidiquis handelte, bestätigte die Nato zunächst nicht. Der Vorfall werde untersucht, hieß es. Nach Angaben der Familie des Toten hatte dieser keine Verbindungen zu den Taliban.

Mehrere hundert Menschen protestierten am Donnerstag gegen das Vorgehen der Soldaten. Sie zündeten Reifen an und riefen "Tod den Amerikanern".

Isaf

Nächtliche Razzien der Schutztruppe haben wiederholt zu Protesten der afghanischen Bevölkerung geführt. Bei den Durchsuchungen wurden immer wieder Zivilisten verletzt und getötet. Der Oberkommandierende der Nato-geführten Isaf-Truppen, US-General Stanley McChrystal, hatte diese im Januar angewiesen, möglichst auf nächtliche Razzien zu verzichten.

Im Notfall sollten die Isaf-Soldaten nur zusammen mit afghanischen Kräften vorgehen. Der afghanische Präsident Hamid Karzai verlangte einen gänzlichen Verzicht von nächtlichen Durchsuchungen.

mmq/dpa/AFP/apn
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