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Nato-Attacke auf Hochzeit: Tödlicher Beschuss in Baraki Barak

Foto: STRDEL/ AFP

Tote Frauen und Kinder Afghanen werfen Nato Angriff auf Hochzeit vor

Die Wut auf die Nato wächst. In Afghanistan sollen 18 Zivilisten beim Beschuss einer Hochzeitsfeier getötet worden sein. Ein westlicher Fotograf bezeugt, die Leichen zahlreicher Frauen und Kinder gesehen zu haben. Das Militärbündnis hat eine Untersuchung eingeleitet.

Kabul - Bei einem Nato-Luftschlag im Osten Afghanistans hat es am Mittwoch offenbar viele zivile Opfer gegeben. Nach Angaben von Regierungsvertretern und Anwohnern wurden Gäste einer Hochzeitsfeier getötet. Unter den Opfern befinden sich offenbar auch mehrere Frauen und Kinder.

Nun werden die Vorwürfe konkreter: Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP sah die Leichen von fünf Frauen, sieben Kindern und sechs Männern. Dorfbewohner brachten die Toten in einem Kleinbus in die Hauptstadt der Provinz Logar, um gegen den Luftangriff auf das Haus im Bezirk Baraki Barak zu protestieren.

Provinzratschef Abd al-Wali Wakili hatte am Vormittag erklärt, Mitglieder der Familie des Stammesältesten Basir Achundsada seien bei dem Bombardement ums Leben gekommen, darunter auch Achundsada selbst. Der lokale Politiker sagte allerdings auch, dass sechs Taliban-Kämpfer - darunter ein Kommandeur - bei dem Angriff getötet wurden.

Der Vorfall dürfte für neuen Streit zwischen der Kabuler Regierung unter Präsident Hamid Karzai und der Nato sorgen. Wali Wakili sagte, in der Provinzhauptstadt Pul-i-Alam demonstrierten Tausende Menschen wegen des Todes des Stammesältesten und seiner Familie.

Am Abend teilte die Nato mit, dass ein mehrköpfiges Team den Vorfall untersuchen soll. Dazu hat die Schutztruppe ein sogenanntes "Joint Incident Assessment Team" aufgestellt. Diese Gruppen werden immer dann gebildet, wenn es von afghanischer Seite Vorwürfe gegen die Isaf gibt. Die Nato versicherte in ihrem kurzen Statement, dass sie jegliche Anschudligungen gegen die Truppe ernst nehme und das Bomberdement in Logar umfassend aufklären werde.

Nato bestätigt Angriff - Details bleiben unklar

Der Tod von Zivilisten, im Nato-Militärjargon "civilian casualties" oder auch Civcas genannt, ist seit Jahren ein Streitpunkt zwischen der Nato und der afghanischen Regierung. Karzai, der sich derzeit auf einem Wirtschaftsgipfel in China aufhält, hat die Schutztruppe, allen voran die US-Armee, immer wieder scharf kritisiert, wenn bei Militäroperationen durch Fehler der Strategen auch Zivilisten ums Leben gekommen waren. An dem Thema hakte monatelang auch die Unterzeichnung eines langfristigen strategischen Abkommens zwischen Kabul und Washington.

Was bei der Attacke in der Nacht zum Mittwoch wirklich passierte, ist noch nicht ganz klar: Die Nato-geführte Schutztruppe Isaf bestätigte in ihren täglichen Lagemeldungen einen Luftangriff im Distrikt Baraki Barak. Demnach hätte eine gemeinsame Einheit aus Afghanen und internationalen Soldaten versucht, einen Taliban-Anführer festzunehmen. Normalerweise werden solche Zugriffe von Spezialkräften der US-Armee und von speziell ausgebildeten Afghanen durchgeführt.

Schlag aus der Luft nach heftiger Gegenwehr

Bei dem versuchten Zugriff allerdings kam es laut Nato zu heftiger Gegenwehr. Aus dem Gehöft, in dem die Soldaten den Gesuchten vermuteten, seien sie heftig beschossen worden und hätten deswegen einen sogenannten Präzisionsluftschlag angefordert, um das Haus zu zerstören. Später habe sich herausgestellt, dass dabei zwei Frauen verwundet worden seien. Die Verletzungen seien nicht lebensbedrohlich und würden von der internationalen Schutztruppe Isaf behandelt.

Die umstrittene Mission wurde sehr wahrscheinlich von Spezialkräften ausgeführt, die zwar offiziell als Teil der Nato-Operation agieren, faktisch aber völlig getrennt von der Schutztruppe operieren. Erst vor einigen Wochen hatte die Nato zugesichert, dass bei solchen Missionen immer auch Afghanen beteiligt sein müssen.

jok/mgb/anr/dapd/AFP/dpa