Afghanistan Obama lässt Massaker-Berichte überprüfen

2000 Kriegsgefangene im Massengrab verscharrt, das ist der Vorwurf - und er richtet sich gegen Verbündete des US-Militärs in Afghanistan. Jetzt kündigte Barack Obama an, die Anschuldigungen überprüfen zu lassen.


Washington - Der Vorwurf wiegt schwer: Verbündete der US-Truppen sollen für den Tod von bis zu 2000 Kriegsgefangenen aus den Reihen der Taliban in Afghanistan verantwortlich sein. Jetzt lässt US-Präsident Barack Obama die Vorwürfe untersuchen. Sein nationales Sicherheitsteam soll entsprechende Berichte überprüfen. Obama sagte dem Fernsehsender CNN, wenn die USA gegen internationale Normen verstoßen hätten, wolle er das wissen. Sobald ihm alle Fakten vorlägen, werde er über das weitere Vorgehen entscheiden.

Abkehr vom Vorgänger: Obamas Regierung befasst sich mit den Altlasten aus der Bush-Zeit
AP

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Augenzeugen zufolge ergaben sich die Taliban im November 2001 der mit den USA verbündeten Nordallianz. Die Gefangenen seien dann für einen zweitägigen Transport in verschlossene Frachtcontainer gesperrt worden. Laut einem Bericht des US-Außenministeriums erstickten die Gefangenen und wurden in einem Massengrab beigesetzt. Soldaten der Nordallianz sagten außerdem aus, sie hätten die Container beschossen.

Obama sagte, es gebe Pflichten, an die sich ein Land auch im Krieg zu halten habe.

Zwar sprach Obama nicht davon, eine offizielle Untersuchung einzuleiten. Doch signalisiert schon die Ankündigung, die Vorwürfe vom nationalen Sicherheitsteam prüfen zu lassen: Ich mache es anders als mein Amtsvorgänger.

Die "New York Times" hatte zuvor berichtet, die Bush-Regierung habe es versäumt, Vorwürfe untersuchen zu lassen, denen zufolge Hunderte, vielleicht Tausende, Kriegsgefangene in Afghanistan hingerichtet wurden.

Ähnlich ist es mit den Diskussionen darüber, ob US-Justizminister Eric Holder einen Sonderstaatsanwalt einsetzen soll, um neue Foltervorwürfe gegen die CIA zu überprüfen. Dieser solle möglicherweise der Frage nachgehen, ob Geheimdienstmitarbeiter nach dem 11. September 2001 Terrorverdächtige gefoltert hätten, berichtete die "Washington Post" am Samstag unter Berufung auf drei anonyme Quellen aus Holders Umfeld.

Der Grund für die Überlegung: Holder habe vor kurzem neue Informationen über die Misshandlungen von Häftlingen geprüft, berichtete die Zeitung weiter. Dazu gehöre auch ein geheimer Bericht über einige Vorgehensweisen der CIA, die als Folter gewertet werden könnten. Konkret geht es um simuliertes Ertrinken, das sogenannte Waterboarding, sowie Schlafentzug und das Einsperren von Verdächtigen in kleine dunkle Räume.

otr/AP



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