Afghanistan Operation "Lawine" soll Taliban zur Strecke bringen

Insgesamt 2000 US-Soldaten befinden sich in Afghanistan im Einsatz gegen die wieder erstarkten Taliban und al-Qaida-Kämpfer. Die Operation "Lawine" ist die bisher größte Offensive seit dem Ende der Kampfhandlungen vor rund zwei Jahren.


Afghanistan: US-Soldaten im Einsatz
AP

Afghanistan: US-Soldaten im Einsatz

Kabul - Wann die Operation "Lawine" im Süden und Osten des Landes begann, wurde von der US-Militärführung nicht bekannt gegeben. Vier Bataillone mit insgesamt 2000 Soldaten nähmen an der Aktion teil, berichtete Militärsprecher Bryan Hilferty. Die Operation "Lawine" ist die bisher größte Militäraktion der Amerikaner seit dem Afghanistan-Krieg Ende 2001. Sie folgt der Operation "Mountain Resolve", die am Wochenende nach einem Monat zu Ende gegangen war. Dabei hatten sich 1000 amerikanische und afghanische Truppen um die Stabilisierung des Nordostens an der Grenze zu Pakistan bemüht.

Im Süden und Osten Afghanistans waren in den vergangenen Wochen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, US-Soldaten und Mitglieder der afghanischen Regierung Ziel von Anschlägen geworden. Als besonders gefährlich gelten die Provinzen Ghasni, Sabul, Kandahar, Paktika und Paktia.

In Ghasni wurde am Montag ein pakistanischer Ingenieur erschossen und ein weiterer verschleppt. Bewaffnete Männer hätten ihr Auto auf der Straße zwischen Kabul und Kandahar angegriffen, teilte die Baufirma Bahar mit. In Sabul waren am Samstag zwei indische Ingenieure entführt worden, in Ghasni wurde im vergangenen Monat eine Uno-Mitarbeiterin erschossen.

Die Vereinten Nationen beklagten unterdessen die zivilen Opfer eines amerikanischen Luftangriffs in Afghanistan. Dabei waren am Samstag neun Kinder getötet worden. Uno-Generalsekretär Kofi Annan sei tieftraurig über den Tod der Kinder, berichtete sein Sprecher Fred Eckhard. "Der Kampf gegen den Terrorismus kann nicht auf Kosten unschuldiger Leben gewonnen werden", sagte Annan. Der Angriff in der Nähe von Ghasni, 160 Kilometer südwestlich von Kabul, galt nach Angaben der US-Streitkräfte einem "gesuchten Terroristen".

Der mutmaßliche Terrorist wurde bei dem Angriff getötet, wie die amerikanischen Truppen mitteilten. Dagegen sagten Bewohner der Ortschaft Hutala, bei dem Getöteten handele es sich um einen Bauern, der wenige Tage zuvor aus Iran zurückgekehrt sei. Möglicherweise seien die Truppen falschen Informationen aufgesessen. Militärsprecher Hilferty berichtete, die Alliierten arbeiteten noch an der Identifikation des Mannes. Afghanische Behördenvertreter befürchteten, dass der Angriff die Unterstützung für die Zentralregierung schwächen könnte.

Zweite Petersberger Konferenz geplant

Zur Stabilisierung Afghanistans ist für Anfang kommenden Jahres eine zweite Petersberger Konferenz in Bonn geplant. Das berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf den Wiederaufbauminister der afghanischen Übergangsregierung, Amin Farhang. Die Idee dazu sei aus Kreisen der Uno und der Bundesregierung gekommen, sagte Farhang. Ein genauer Termin müsse aber noch geklärt werden.

Insbesondere die Hilfe der internationalen Gemeinschaft in Höhe von rund 4,5 Milliarden Dollar für fünf Jahre reiche nicht aus, um das nach 24 Jahren Krieg zerstörte Afghanistan wieder aufzubauen. "Wir brauchen in den kommenden fünf Jahren mindestens 30 Milliarden Dollar, um das Land auf die eigenen Füße stellen zu können", so Farhang.

Scharf kritisierte der Minister den Teilrückzug der Uno aus dem Süden und Osten des Landes. "Sobald es knallt, was bei der Kalaschnikow-Mentalität in diesem Land auch nicht verwundert, laufen die Uno-Mitarbeiter davon." Diese Mutlosigkeit sei bedenklich.



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