Afghanistan Passagiermaschine in den Bergen abgestürzt

Crash am Salang-Pass: Auf der Flugroute von Kunduz nach Kabul ist eine Maschine der Pamir Airways abgestürzt. Dabei sind bis zu 43 Menschen umgekommen. Die Strecke wird von ausländischen Reportern und NGO-Mitarbeitern genutzt - unter den Opfern sollen aber keine Deutschen sein.

Unglücksmaschine der Pamir Airways (November 2009): Absturz in den Bergen
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Unglücksmaschine der Pamir Airways (November 2009): Absturz in den Bergen

Von und Shoib Najafizada


Berlin/Kabul - Bei einem Flugzeugabsturz in Afghanistan sind bis zu 42 Menschen gestorben, darunter sind möglicherweise mehrere Ausländer. Nach offiziellen afghanischen Angaben war eine kleine Passagiermaschine der afghanischen Fluggesellschaft Pamir Airways am Vormittag (Ortszeit) auf dem Flug vom nordafghanischen Kunduz in die Hauptstadt Kabul vom Radar verschwunden. Sie ist nach ersten Angaben nördlich von Kabul abgestürzt. Ob die Unglücksstelle schon gefunden wurde, ist bisher unklar.

Die lokalen Behörden in Kunduz berichteten, das Flugzeug vom Typ Antonow 24 RV sei gegen 11.30 Uhr in der nordafghanischen Provinzmetropole gestartet. Dort unterhält die Bundeswehr ihr zweitgrößtes Lager mit rund 1500 Soldaten. Dort geht man nun Hinweisen nach, dass sich in der Zivilmaschine auch Ausländer befunden haben könnten. Sowohl der Gouverneur von Kunduz als auch der Polizeichef deuteten dies in ihren Aussagen an.

Der afghanische Kommandeur des Kabuler Flughafens sagte SPIEGEL ONLINE allerdings, bisher habe man keine Hinweise auf ausländische Fluggäste an Bord der Unglücksmaschine. Mohammad Asif Jabar Khil sagte, sein Flughafen habe am Morgen rund eine halbe Stunde vor der geplanten Landung der Antonow den Funkkontakt mit den Piloten verloren. Später habe ihn die für den Salang-Pass zuständige Polizei informiert, dass Beamte eine laute Explosion in den Bergen gehört hätten.

Die Schutztruppe Isaf teilte mit, sie unterstütze die Suche nach der Unglücksmaschine. Bereits kurz nach den ersten Meldungen hatte ein Flugzeug die Stelle abgesucht, von der sich die Piloten das letzte Mal meldeten. Allerdings herrscht in den Bergen nach Isaf-Angaben sehr schlechtes Wetter mit starker Bewölkung. Hubschrauber sollen die Suche nun fortsetzen. Ein Kommandeur der Polizei sagte, die Suche werde sehr schwierig, da Helikopter manche Stellen des Salang-Gebirges nicht erreichen können.

Es gibt aber wohl nur eine sehr kleine Chance, dass Passagiere einen Absturz in den Bergen überlebt haben könnten.

Acht Ausländer unter den Passagieren

Ein Vertreter der Fluglinie sagte SPIEGEL ONLINE hingegen, an Bord der Maschine seien acht Ausländer gewesen. Unter der Ausländern seien sieben US-Amerikaner, sagte Agai Kalil über die ersten Nachforschungen. Ähnliche Gerüchte kursieren auch im deutschen Feldlager, in dem ebenfalls ein Vertreter des US-Außenministeriums stationiert ist. Von der US-Botschaft war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Deutsche sind nach ersten Recherchen von SPIEGEL ONLINE nicht an Bord gewesen. Aus dem Feldlager heraus starteten die Bundeswehr und die Vertreter des Auswärtigen Amts umgehend einen Rundruf bei den deutschen Organisationen in Kunduz. Bisher wird dort jedoch niemand vermisst, zwei Deutsche waren mit der Unglücksmaschine aus Kabul nach Kunduz gekommen. Ihren Angaben nach verlief der Hinflug völlig unproblematisch, die Maschine sei sogar zu früh in Kabul gestartet. Die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, die in Kunduz diverse Projekte stationiert hat, teilte mit, dass einer ihrer afghanischen Mitarbeiter auf der Unglücksmaschine gewesen sei.

Der Mitarbeiter von Pamir Airways sagte weiter, man habe bisher keine Hinweise auf einen technischen Defekt. Möglich sei deshalb auch ein Anschlag auf die Maschine, man gehe dieser Spur bereits nach.

Außer der Pamir-Maschine fliegen nur Isaf und Uno nach Kunduz

Die zweimotorige Antonow fliegt seit rund einem Jahr täglich von Kabul nach Kunduz und zurück. Da die Stecke von rund 400 Kilometern über den Salang-Pass und durch die Taliban-Hochburg Baghlan mit dem Auto sehr gefährlich ist, nehmen vor allem Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Reporter diesen Flug. Obwohl die Antonow rein äußerlich sehr altersschwach aussieht, versicherte die Fluggesellschaft immer wieder, technisch sei sie sicher.

In der jüngsten Vergangenheit hatte das Flugzeug immer wieder Probleme gezeigt. Erst in der vergangenen Woche musste die Maschine der Pamir Airways wegen eines defekten Triebwerks umdrehen und wieder in Kunduz landen. Einige Wochen zuvor stand die Antonow mehrere Tage in Kunduz auf dem Flugfeld, da sich ein Defekt an den Propellern nur durch einen Monteur aus Kabul beheben ließ. Außer der Pamir-Maschine fliegen nur die Schutztruppe Isaf und die Uno nach Kunduz.

Die Strecke nach Kabul ist dramatisch: Nach dem Start in Kunduz muss sich die Antonow sehr schnell auf rund 8000 Meter Höhe schrauben, um den gigantischen Salang-Pass zu überqueren. Die Gipfel des Gebirges reichen bis zu 4000 Meter in den Himmel. Beim Anflug nach Kabul dann fliegen zivile wie militärische Maschinen den Airport bis heute sehr steil an, um möglichen Beschuss durch Raketen zu umgehen.

Pamir Airways ist eine von mehreren privaten Fluglinien in Afghanistan. Die Airline fliegt neben nationalen Strecken vor allem die einträgliche Route nach Dubai. Auf dieser Verbindung setzt sie eine ebenfalls ziemlich alte Boeing 737 ein. Mit der nun abgestürzten Antonow bediente die Fluglinie mehr oder weniger regelmäßig innerafghanische Ziele. Ein Flugticket von Kabul nach Kunduz kostete rund 30 Dollar.



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