Afghanistan Polizeiausbildung unter deutscher Führung stockt

Die im Mai von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und dessen EU-Amtskollegen beschlossene Polizeimission in Afghanistan kommt nach Informationen des SPIEGEL nur schleppend in Gang. Ihnen fehlen die Teilnehmer.


Hamburg - Die meisten der 160 Polizisten und Rechtsexperten, die unter Führung des Deutschen Friedrich Eichele die Ausbildung von Polizei und Grenzschutz voranbringen sollen, sind zwar schon seit Juni im Land. Sie haben aber kaum zu tun. Der Grund: Die Kabuler Regierung hat für die geplanten Trainingskurse noch keine Teilnehmer benannt.

Manche der Beamten, die unter anderem Führungskräfte der Kriminalpolizei sowie Drogenfahnder schulen sollen, machen sich einstweilen hilfsweise als "Mentoren" für bereits früher trainierte Polizisten nützlich. Völlig ungeklärt ist noch der Schutz der aufs ganze Land verteilten Ausbilder durch die Nato-geführten Isaf- Truppen.

Wegen des Streits um Zypern blockiert der Nato-Partner Türkei ein Abkommen, das die Zusammenarbeit zwischen Nato und EU in Afghanistan regeln soll. Auch eines der Grundprobleme bei der Schulung einheimischer Polizisten und Soldaten bleibt ungelöst: Viele der Waffenträger verdingen sich gleich nach der Lehre bei den Taliban, örtlichen Milizenführern oder Drogenbaronen, weil die deutlich besser bezahlen als die Regierung in Kabul.

An der Aktion beteiligen sich Ausbilder aus über 20 Nationen, allein Deutschland hat bis zu 60 Beamte für das Polizeitraining zugesagt. Weil Bund und Länder nicht genug Polizisten aufbieten können, hilft die Bundeswehr derzeit noch mit 35 Feldjägern aus.



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