Kampf gegen Islamisten Afghanistan erwägt Bewaffnung von Zivilisten

Die Taliban und der IS sind auf dem Vormarsch - die Regierung in Kabul will nun Zivilisten mit Waffen ausstatten. Die Nato will im Oktober über eine Truppenaufstockung entscheiden.
Polizeieinsatz auf Straße von Kabul

Polizeieinsatz auf Straße von Kabul

Foto: Rahmat Gul/ AP

Als Reaktion auf die anhaltende Bedrohung durch islamistische Aufständische erwägt die afghanische Regierung, Zivilisten zu bewaffnen. Pläne zur Bildung "örtlicher Truppen" würden derzeit geprüft, sagte ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums. Die Truppe würde den Angaben zufolge rund 20.000 Mann zählen.

Ein Sprecher der Nato-Ausbildungsmission "Resolute Support" bestätigte die Pläne. Nach Angaben eines US-Beamten ist der Vorschlag derzeit allerdings noch in der Anfangsphase.

Seit die Nato ihren Kampfeinsatz am Hindukusch 2014 beendete, sind die radikalislamischen Taliban wieder auf dem Vormarsch. Auch die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) gewinnt an Einfluss.

Die afghanischen Sicherheitskräfte haben nur wenig Erfolg im Kampf gegen die Aufständischen. Immer wieder kommt es zu Anschlägen - zuletzt am Sonntag, als im Osten des Landes mindestens vier Menschen getötet worden. Weitere 14 Menschen wurden zudem verletzt, als eine Bombe auf einem belebten Marktplatz in der Provinzhauptstadt Chost explodierte, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.

Trumps neue Afghanistan-Strategie

Um den Vormarsch von Taliban und IS zu stoppen, hatte US-Präsident Donald Trump Ende August eine Aufstockung der noch in Afghanistan stationierten US-Truppen angekündigt. Derzeit sind rund 11.000 Militärangehörige in dem Land am Hindukusch stationiert - mehr als zuvor bekannt.

Die USA forderten zugleich, dass auch die übrigen Nato-Länder mehr Soldaten entsenden. Eine Entscheidung darüber wurde nun jedoch bei einem Treffen in Albaniens Hauptstadt Tirana auf Oktober verschoben.

Die Generalstabschefs der 29 Allianzmitglieder hätten zwar generell die Notwendigkeit zusätzlicher Truppen anerkannt, sagte der Chef des Nato-Militärkomitees, der tschechische General Petr Pavel. Eine Entscheidung solle aber nicht vor der nächsten Sitzung des Komitees im Oktober fallen.

Wie von Teilnehmern verlautete, hatten mehrere Nato-Mitglieder in Tirana bereits konkrete Angebote vorgelegt. Öffentlich wurde nur der Vorschlag des Gastgebers Albanien: Er will die Zahl seiner derzeit 83 Soldaten in Afghanistan um rund 30 aufstocken. Nach Angaben der Nato sind derzeit rund 12.400 Soldaten im Einsatz, um afghanische Sicherheitskräfte auszubilden und zu beraten. 950 Soldaten kommen aus Deutschland.

Der US-Militäreinsatz in Afghanistan hatte unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington begonnen. Die Nato beendete ihren Kampfeinsatz im Dezember 2014 und setzte danach auf die Mission "Resolute Support".

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