Afghanistan Rice wirbt um Einigkeit im Anti-Terror-Kampf

Trotz dramatisch verschlechterter Sicherheitslage will Italien Hunderte Soldaten aus Afghanistan abziehen. Heute reist US-Außenministerin Rice zunächst zum afghanischen Präsidenten Karzai. In Kabul will sie für eine bessere Zusammenarbeit im Kampf gegen die Taliban werben.


Kabul - Die italienische Regierung will ihr Truppenkontingent in Afghanistan deutlich verkleinern. Von den derzeit 1300 dort stationierten Soldaten sollen 300 bis 400 abgezogen werden, beschloss gestern die Regierungskoalition von Ministerpräsident Romano Prodi. Die Einsätze in der Hauptstadt Kabul sowie in Herat sollten fortgesetzt werden, die Ausdehnung der Nato-Mission in den Süden Afghanistans werde Italien jedoch nicht unterstützen, meldeten Nachrichtenagenturen. Dem Abzug muss nun noch das Parlament zustimmen.

Die US-Streitkräfte wollen selbst ihre Truppenstärke in Afghanistan von derzeit rund 19.000 auf 16.500 verringern. Die Nato-geführte internationale Schutztruppe Isaf soll dafür im instabilen Süden 6000 Soldaten aus Großbritannien, Kanada und den Niederlanden stationieren. Derzeit sind im Rahmen der Isaf rund 2400 deutsche Soldaten in der Hauptstadt Kabul und in Nordafghanistan sowie 303 weitere im usbekischen Termez stationiert.

Dabei hat sich die Sicherheitslage in Afghanistan in den vergangenen Monaten dramatisch verschlechtert. Bei Kämpfen und Anschlägen sind in den vergangenen drei Monaten mehr als 1100 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen radikal-islamische Rebellen.

Derzeit läuft in Afghanistan die größte Offensive der US-geführten Koalitionstruppen seit dem Sturz der Taliban Ende 2001. Bereits gestern hatte sich Condoleezza Rice beim pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf für ein Ende der Unstimmigkeiten zwischen Afghanistan und Pakistan eingesetzt. "Wir, Afghanistan und Pakistan werden all unsere Bemühungen vereinen, wie wir es in den vergangenen Jahren getan haben, mit dem Ziel die Bedrohung durch al-Qaida und die Taliban zu beseitigen", sagte Rice nach dem Treffen mit Musharraf.

Die Regierung in Islamabad sagte ihr zu, die Truppen im Grenzgebiet zu Afghanistan um 10.000 Soldaten aufzustocken. Mit den zusätzlichen Soldaten sollen die Taliban in der nur schwer zugänglichen Region bekämpft werden. Im Grenzgebiet werden auch der Chef des Terrornetzes al-Qaida, Osama Bin Laden, und Taliban-Führer Mullah Omar vermutet.

Afghanistan hat Pakistan vorgeworfen, dass die Taliban-Aktivitäten von pakistanischem Territorium aus geleitet würden. Pakistan seinerseits hat sich besorgt über die aufkeimende Freundschaft zwischen seinem Erzrivalen Indien und Afghanistan gezeigt. Es wird erwartet, dass Rice Hamid Karzai zudem den Rücken stärken wird. Dieser steht wegen des schleppenden wirtschaftlichen Fortschritts und der anhaltend instabilen Sicherheitslage im eigenen Land zunehmend unter Druck.

Auf die Bundeswehr in Nordafghanistan war gestern erstmals ein Selbstmordanschlag verübt worden. Bei dem Attentat in der Stadt Kunduz wurden keine Soldaten verletzt oder getötet. Neben dem Attentäter kamen zwei Zivilisten ums Leben, acht wurden verletzt. Die Provinzregierung machte für die Tat "Feinde Afghanistans" verantwortlich, eine Umschreibung afghanischer Regierungsstellen für Rebellen wie die Taliban.

lan/dpa/AP/Reuters



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