Afghanistan Russland verlangt von Nato mehr Härte bei Drogenbekämpfung

Scharfe Warnung an den Westen: Russlands Nato-Botschafter Rogosin attackiert in einem Brandbrief das alliierte Vorgehen in Afghanistan. Ein schärferes Durchgreifen gegen Drogenbarone müsse höchste Priorität haben - sonst könnte Moskau seine Unterstützung für den Einsatz überdenken.
Opiumbauer in Afghanistan: "Schlimmstmögliches Szenario"

Opiumbauer in Afghanistan: "Schlimmstmögliches Szenario"

Foto: John Moore/ Getty Images

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Drogenproblematik

In ungewöhnlich scharfem Ton kritisiert den Nato-Einsatz in - und fordert ein stärkeres Engagement in der Bekämpfung von Drogenanbau und -handel in dem zentralasiatischen Land. In einem Brandbrief an den Oberkommandierenden der Nato-Streitkräfte in Europa, US-Admiral James Stavridis, verlangt Russlands Botschafter Dmitrij Rogosin ein kompromissloses Vorgehen der Allianz. Man teile keineswegs die Einschätzung des Bündnisses, dass die von der ausgehende Gefahr lediglich zweitrangig sei, heißt es in dem Schreiben, dass SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Taliban

"Die Situation entwickelt sich nach dem schlimmstmöglichen Szenario", schreibt der russische Topdiplomat. "Meiner Meinung nach, werter Admiral, können Sie Stabilität und Sicherheit nicht gewährleisten, ohne die von Drogen ausgehende Gefahr als einen der wichtigsten Destabilisierungsfaktoren zu berücksichtigen." Erhebliche Mittel aus Anbau und Verkauf von Opium und zunehmend Haschisch flössen den zu, die damit "Waffen und Sprengstoffe kaufen und Soldaten der Kräfte töten, deren Kommando Sie inne haben."

Heroin

Der Westen dürfe bei dem Kampf nicht nur die eigenen Interessen im Blick haben, sondern auch die von Partnerstaaten wie Russland. "Afghanisches tötet 30.000 Bürger meines Landes jährlich", klagt Rogosin.

Damit rührt der Diplomat an ein Thema, das wegen der im Westen geführten Debatten über Aufstocken beziehungsweise Abzug der entsandten Truppen in den vergangenen Monaten völlig in den Hintergrund getreten ist.

Zwar ist die Produktion von Opium 2009 in Afghanistan nach Informationen der Vereinten Nationen leicht gesunken, vor allem aufgrund geringerer Nachfrage. Doch noch immer stammen rund 90 Prozent des weltweit produzierten Opiums vom Hindukusch. Zudem geht auch die Uno davon aus, dass Drogengelder einen erheblichen Teil der Einnahmen von Aufständischen und Terroristen ausmachen. "Afghanische Drogen haben noch immer katastrophale Konsequenzen", heißt es in einem Bericht des Uno-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung.

Drohung aus Moskau

In dem dreiseitigen Schreiben vom Donnerstag macht Moskaus Gesandter zudem deutlich, dass Russland seine Unterstützung für die Allianz überdenken könnte, sollten die Isaf-Kräfte in Afghanistan in Zukunft nicht energischer gegen Drogenbarone vorgehen. Der Drogenbekämpfung müsse höchste Priorität eingeräumt werden. Russland werde sich bei den Vereinten Nationen für eine solche Anti-Drogenkampagne und die Ergreifung von "scharfen, effizienten und koordinierten Maßnahmen" einsetzen.

Anders Fogh Rasmussen

Moskau unterstützt die Nato derzeit vor allem logistisch: Russlands Luftraum und sogar Landverbindungen stehen für Transporte der Allianz zur Verfügung. Bei seinem Besuch in Moskau Mitte Dezember bat der neue Nato-Generalsekretär zudem um russische Hubschrauber und einen Ausbau des russischen Engagements bei der Ausbildung von afghanischen Polizisten.

Russlands Präsident Dmitrij Medwedew schwärmte anschließend von einer "neuen Epoche" der Zusammenarbeit, die Beziehungen würden nun transparenter und produktiver. "Auf uns lauern dieselben Gefahren, also lassen Sie uns zusammenarbeiten", sagte der Präsident damals.

Obwohl Moskau nicht vergessen hat, dass es unter anderem die USA waren, die in den achtziger Jahren die afghanischen Widerstandskämpfer im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan unterstützten, hat der Kreml heute kein Interesse an einem Scheitern des Westens in Afghanistan. Sollten in Afghanistan wieder die Taliban die Macht erringen, würde das islamistischen Terroristen in anderen zentralasiatischen Ländern neuen Auftrieb geben, etwa in Tadschikistan, in den neunziger Jahren Schauplatz eines blutigen Bürgerkriegs zwischen Fundamentalisten und der Regierung.