Afghanistan-Schutztruppe Landung kurz vor dem Morgengrauen

In den frühen Morgenstunden ist ein Erkundungsteam der internationalen Schutztruppe für Afghanistan in Kabul eingetroffen. Unterdessen steht die Flucht von Taliban-Oberhaupt Mullah Omar möglicherweise vor ihrem Ende: Tausende afghanische Kämpfer haben sein mutmaßliches Versteck in einem südafghanischen Dorf umzingelt.


Der Voraustrupp der Schutztruppe setzt sich aus Soldaten aus 17 Ländern zusammen
AFP

Der Voraustrupp der Schutztruppe setzt sich aus Soldaten aus 17 Ländern zusammen

London/Kabul/Berlin - Wie ein Korrespondent der britischen BBC berichtete, landete die Militärmaschine mit 20 bis 30 Soldaten aus 17 Ländern auf dem internationalen Flughafen der afghanischen Hauptstadt. Unter den Soldaten sind nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums auch neun Bundeswehr-Offiziere.

Die Bundeswehrsoldaten sollen die Grundlagen für den deutschen Einsatz im Rahmen der International Security Assistance Force (ISAF) legen. Das Erkundungskommando will unter anderem prüfen, unter welchen Bedingungen die Soldaten im Raum Kabul untergebracht und verpflegt werden können. Geklärt werden sollen auch die medizinische Versorgung und logistische Probleme.

Der internationalen Schutztruppe für Afghanistan sollen 4500 Soldaten angehören. Diese Zahl wurde nach Angaben führender britischer Tageszeitungen bei den am Montag abgeschlossenen Verhandlungen in Kabul vereinbart. Zuvor war die Größe der multinationalen Schutztruppe auf zwischen 5000 und 6000 Soldaten geschätzt worden.

Im Rahmen der deutschen Beteiligung am internationalen Kampf gegen den Terrorismus verlassen heute sechs Schiffe der deutschen Marine den Nordseehafen Wilhelmshaven. Der Verband besteht nach Marine-Angaben aus zwei Fregatten, einem Versorger, einem Tankschiff und zwei Tendern. Er steuert nach einer dreiwöchigen Anfahrt das Seegebiet am Horn von Afrika an. Die Schiffe sollen im Golf von Aden die Sicherheit der Seewege gewährleisten und Verbindungswege terroristischer Organisationen unterbrechen.

Suche nach Omar

Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar: Selten fotografiert und seit dem Fall Kandahars verschollen
AP

Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar: Selten fotografiert und seit dem Fall Kandahars verschollen

Unterdessen bereiten sich die Taliban-Gegner in Afghanistan auf die Ergreifung des flüchtigen Taliban-Chefs Mullah Mohammad Omar vor. Rund 2000 Kämpfer stünden bereit, um das vermutete Versteck Omars in der Nähe des südafghanischen Baghrans in der Provinz Helmand zu stürmen, sagte der paschtunische Geheimdienstchef Hadschi Gullalai.

Gullalai fügte hinzu, Taliban-Kämpfer, die Omar vermutlich beschützten, seien aufgefordert worden, diesen auszuliefern, um einen Angriff abzuwenden. Es sei jedoch kein Ultimatum gestellt worden. Wo sich der Taliban-Chef genau aufhalte, sagte er nicht.

Mullah Omar gilt als verschwunden, seit die letzte Taliban-Hochburg Kandahar am 7. Dezember an die Kämpfer der Opposition gefallen war. Terror-Chef Osama Bin Laden ist ebenfalls flüchtig, US-Angaben zufolge könnte er nach Pakistan entkommen sein. Der afghanische Außenminister Abdullah Abdullah sagte jedoch, er glaube, Bin Laden halte sich noch immer in Afghanistan versteckt.

Ein Sprecher des Oberkommandos der US-Streitkräfte teilte mit, auch eine Spezial-Einsatztruppe sei in Südafghanistan im Einsatz. Dabei gehe es jedoch nicht um die Verfolgung Mullah Omars. Die US-Marine-Infanteristen seien von ihrer Basis auf dem Flughafen von Kandahar rund 160 Kilometer von Baghran entfernt zu einem Auftrag aufgebrochen, sagte der Sprecher des US-Oberkommandos in Tampa im US-Bundesstaat Florida. Sie durchsuchten eine Stellung unweit von Kandahar, die von Taliban-Kämpfern oder Mitgliedern von Bin Ladens Organisation al-Qaida besetzt worden war und nun aufgegeben sei. Ziel sei es, Beweismittel sicherzustellen.



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