Fünf Jahre Geisel bei Islamisten "Sie rissen mir die Fingernägel aus"

Wie überlebt man fünf Jahre Geiselhaft und Folter? Der entführte Politikersohn Shahbaz Taseer spricht erstmals über sein Leiden in der Hand afghanischer Islamisten. Seine Freilassung bleibt mysteriös.

AFP/ ISPR

Nach fünf Jahren in Gefangenschaft von Islamisten ist der Pakistaner Shahbaz Taseer seit neun Wochen frei. Jetzt sprach er in Interviews mit dem US-Sender CNN und dem Urdu-sprachigen Kanal der BBC über die Qualen in der Gefangenschaft.

Ein Jahr lang sei er "von den Usbeken" immer wieder gefoltert worden. "Sie rissen mir die Fingernägel aus und schlugen mich mit Gummipeitschen", sagte Taseer in einem CNN-Gespräch. Erst hätten sie ihn etwa 100-, dann 200-mal auf den Rücken geschlagen. "Sie schnitten mich mit Klingen in den Rücken und warfen Salz darauf. Sie nähten meinen Mund zu und gaben mir eine Woche lang nichts zu essen." Auch hätten sie ihm ins Bein geschossen und geschnitten. Dann sei er blutend liegen gelassen worden.

Die Männer hätten Geld und die Freilassung von Gefangenen gefordert. Sie hätten ihn gefoltert, um seine Familie gefügig zu machen. Zu seinen Entführern sagte er, er sei lange von der radikalen Terrormiliz Islamischen Bewegung von Usbekistan (IMU) festgehalten worden. Die Islamisten sind in Pakistan Alliierte von al-Qaida. Taseer beschrieb, wie er in Pakistans Stammesgebieten in Häusern gewesen sei, in denen auch Qaida-Anführer lebten. Zweimal habe es Drohnenangriffe auf sie gegeben, während er dabei war.

Die IMU gelten auch als Alliierte der afghanischen Taliban. Eines Tages habe es aber einen Kampf zwischen seinen IMU-Entführern und Taliban-Angehörigen gegeben, und er sei in deren Hände übergegangen. In einem Gefängnis der Taliban in Afghanistan habe ihm dann jemand geholfen, frei zu kommen, sagte Taseer. Dann habe er selber zurück nach Pakistan gefunden.

Die genauen Umstände seiner Befreiung blieben in Shahbaz Taseers Darstellung allerdings unklar. Fraglich ist besonders, ob Taliban eine derart wertvolle Geisel ohne Gegenleistung hätten ziehen lassen. Taseer sagte, Geld oder einen Gefangenenaustausch habe es nicht gegeben.

Shahbaz Taseer war im August 2011 entführt worden, kurz nachdem ein Islamist seinen Vater, den liberalen Gouverneur Salman Taseer, wegen dessen Kritik an strengen Blasphemiegesetzen erschossen hatte. Der Gouverneursmörder wurde zum Helden religiöser Demonstranten. Vor Kurzem wurde Taseers Mörder hingerichtet. Analysten halten es für denkbar, dass der Sohn entführt wurde, um den Mörder des Vaters freizupressen.

cht/dpa



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