Afghanistan "Shelter Now"-Mitarbeiter völlig ahnungslos?

Die vier deutschen Entwicklungshelfer, die in Afghanistan inhaftiert sind, wissen offenbar nicht, in welcher Gefahr sie schweben. Es scheint, dass die Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Shelter Now" nicht über Terroranschläge in den USA und den bevorstehenden Vergeltungsschlag informiert wurden.


Braunschweig - "Vieles deutet darauf hin, dass sie nicht darüber aufgeklärt wurden, was in der Welt passiert", sagte der Vorsitzende von "Shelter Now Germany", Udo Stolte, am Donnerstag. Am Dienstag hatten ihn Faxe der betreffenden Mitarbeiter erreicht, in denen sie sich über ihre Isolation und ein Informationsdefizit beklagt hatten.

So heiße es etwa in einem Schreiben von Georg Taubmann, dem Teamleiter in Afghanistan: "Die Ungewissheit ist sehr schwer zu ertragen... Wir bekommen keine Nachrichten... Andere (nicht-deutsche) Mitarbeiter erhalten von Zeit zu Zeit Post aber wir Deutsche erhalten so gut wie gar nichts..."

Stolte will nun herausfinden, ob sich die Inhaftierten ihrer Situation wirklich bewusst sind und woran es liegt, dass keine Informationen zu ihnen durchdringen. "Ich habe sofort Faxe zurückgeschickt, um die Defizite auszuräumen", sagte Stolte. Diese Faxe seien aber allgemein gehalten und klärten nicht direkt über die Gefahr und mögliche Konsequenzen eines amerikanischen Militärschlages auf. Es bestehe immer die Gefahr, dass die Schreiben von den Taliban geprüft und eventuell nicht weiter geleitet würden.

Neben der Isolation in der afghanischen Haft beklagten die festgehaltenen Mitarbeiter auch die schlechten hygienischen Bedingungen. So litten alle Inhaftierten an unterschiedlichen Krankheiten. Margit Stebner berichte in ihrem Brief: "...Ich selbst habe nun die dritte Runde von schwerem Durchfall überstanden..."

Die Schreiben sind den Angaben zufolge über den deutschen Diplomaten Helmut Landes in Islamabad (Pakistan) an die Hilfsorganisation in Braunschweig geschickt worden. Die vier Deutschen - zwei Frauen aus Braunschweig, eine Frau aus Hildesheim und ein Mann aus Bayern - müssen sich zusammen mit zwei Amerikanerinnen und zwei Australiern wegen des Vorwurfs christlicher Missionierung vor Gericht verantworten. Sie sind seit Anfang August in Haft. Die Vertretung der Angeklagten hat ein pakistanischer Anwalt übernommen, mit dem die Mitarbeiter, wie es aus einem der Faxe hervor geht, sehr zufrieden sind.



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