Human Rights Watch Afghanische Sicherheitskräfte nutzen Schulen für Gefechte

Taliban greifen in Afghanistan offenbar immer wieder Schulen an. Den Grund sieht Human Rights Watch darin, dass Sicherheitskräfte der Regierung von dort aus ihre Militäroperationen planen.

Afghanische Sicherheitskraft vor Schule
REUTERS

Afghanische Sicherheitskraft vor Schule


Afghanische Sicherheitskräfte planen von Schulgebäuden aus ihre Einsätze - und gefährden damit Tausende Schüler. Das beklagt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in einem Bericht. Demnach nutzen die Einheiten zunehmend Schulen als Basis für ihre Militäroperationen gegen Islamisten.

Schulen würden so zum Ziel der Angriffe radikalislamischer Taliban, warnen die Menschenrechtler. Tausende Kinder und deren Schuldbildung seien gefährdet. "Nicht nur die Taliban schaden Kindern", sagt die HRW-Afghanistan-Beauftragte Patricia Gossman. "Kinder werden gefährdet von denjenigen, die sie beschützen sollen."

Wie viele Schulen landesweit betroffen sind, geht aus dem Papier nicht hervor. Berichtet wird von zwölf Schulen in der Nordprovinz Baghlan, in der bis 2013 auch die Bundeswehr stationiert war.

Im Dorf Postak Basar etwa habe die Polizei schon 2010 eine Mittelschule besetzt. Bei einem Taliban-Angriff seien sieben Polizisten in einem Klassenraum erschossen worden. 2015 kam die Polizei laut HRW wieder und richtete einen Posten im Untergeschoss ein, während der Unterricht oben fortgesetzt werden sollte. Als Lehrer die Situation kritisierten und versuchten, Druck zu machen, schoss der Kommandeur in ihre Richtung, um sie zu verscheuchen.

Als weiteres Beispiel nennen die Menschenrechtler ein Gymnasium im Dorf Kalai Chuascha. Dort werden 1850 Jungen und Mädchen unterrichtet. Bei Gefechten mit Taliban in der Gegend seien Anfang 2016 etwa 20 bis 30 Soldaten in der Schule stationiert gewesen. Von dort aus hätten sie mit den Taliban gekämpft. Mehrere Klassenräume, Dächer und Lehrmaterial seien zerstört worden.

vek/dpa

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