Afghanistan Taliban bekennen sich zu Entführung der beiden Deutschen

Die beiden in Afghanistan entführten Deutschen sind in den Händen der Taliban. Den Männern gehe es gut, sagte ein Sprecher der radikal-islamischen Miliz. Im Gegenzug für ihre Freilassung, so seine Forderung, müssten alle deutschen Soldaten das Land verlassen.


Kabul - "Die beiden Deutschen sind bei uns sicher", erklärte Taliban-Sprecher Jusuf Ahmadi heute. Sie seien bei guter Gesundheit. Die Miliz fordere den Abzug aller deutschen Soldaten aus Afghanistan sowie die Freilassung von gefangenen Taliban.

Taliban-Kämpfer in Afghanistan: Die Gewalt breitet sich auch auf die ehemals friedlicheren Provinzen im Norden und Westen des Landes sowie auf die Hauptstadt Kabul aus, heißt es in einem Bericht des Verteidigungsausschusses des britischen Unterhauses, der vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde
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Taliban-Kämpfer in Afghanistan: Die Gewalt breitet sich auch auf die ehemals friedlicheren Provinzen im Norden und Westen des Landes sowie auf die Hauptstadt Kabul aus, heißt es in einem Bericht des Verteidigungsausschusses des britischen Unterhauses, der vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde

Derzeit sind in dem Land mehr als 3000 Bundeswehrsoldaten im Einsatz. Die jüngste Entführung ereignete sich außerhalb ihres Kommandobereichs.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes (AA) in Berlin werden die beiden Deutschen seit Mittwoch in Afghanistan vermisst. Bislang gab es kaum Details zu den Hintergründen. Die beiden Männer arbeiteten an einem Dammprojekt, sie sollen für ein in Kabul ansässiges Unternehmen tätig sein. Sie wurden in der Provinz Wardak entführt.

Die Provinz liegt südwestlich der Hauptstadt Kabul. Im vergangenen Jahr kam es in der Provinz jedoch immer häufiger zu Attacken auf Konvois und Helfer. Die Sicherheitswarnstufe wurde erhöht. Durch Wardak führt die zentrale Straße aus Kabul nach Kandahar im Süden.

Mitte Juni war in der Gegend ein deutscher Konvoi unter Beschuss gekommen. Mehrere Botschaftsmitarbeiter waren nach Chak-e-Wardak gereist, wo eine Deutsche seit Jahren ein Krankenhaus betreibt. Auf der Rückreise wurde etwa 60 Kilometer südwestlich von Kabul eine Rakete auf die Gruppe gefeuert. Ein Jeep des Krankenhauses wurde beschädigt und zurückgelassen, die Gruppe raste zurück zum Krankenhaus - während die Angreifer, vermutlich Kämpfer der Taliban, den Jeep offenbar mit einer zweiten Rakete zerstörten. Erst nach einer Nacht in dem Krankenhaus kehrten die Botschaftsmitarbeiter sicher nach Kabul heim.

Schon damals teilte das Innenministerium mit, man nehme die Situation sehr ernst und habe die Wachsamkeit erhöht. Die Gefahr für deutsche Soldaten, aber auch Helfer und Geschäftsleute in Afghanistan habe sich in den vergangenen Wochen extrem gesteigert. Im ganzen Land gebe es einen "auffälligen Anstieg der Bedrohung", sagte ein hochrangiger Beamter.

Es ist das zweite Mal binnen eines Monats, dass Deutsche in Afghanistan gekidnappt wurden. Erst Ende Juni hatten Kriminelle den deutschen Ingenieur Norbert W. im Süden des Landes entführt. Der 46-Jährige und sein afghanischer Dolmetscher kamen binnen einer Woche wieder frei - unter Vermittlung von Stammesältesten und nach Zahlung von 40.000 Dollar Lösegeld. Es war das erste Mal seit dem Sturz der Taliban 2001, dass ein Deutscher in Afghanistan entführt wurde.

Die Bundesregierung hatte damals die schnelle Freilassung des Deutschen mit großer Erleichterung aufgenommen. In den vergangenen Monaten gab es in Afghanistan mehrere quälend lange Geiselnahmen von westlichen Entwicklungshelfern und Journalisten. Besonders spektakulär verlief das Kidnapping des italienischen Reporters Daniele Mastrogiacomo, der am Ende gegen fünf inhaftierte Taliban-Kämpfer ausgetauscht wurde. Die Verhandlungen mit den Taliban und das Nachgeben der Regierung in Kabul waren international scharf kritisiert worden. Sowohl aus Deutschland und noch deutlicher aus der US-Regierung hieß es, man dürfe Geiselnehmern nicht nachgeben und sich nicht erpressbar machen.

Die Taliban bekannten sich heute auch zur Entführung von 18 Südkoreanern. Sie wurden gestern entführt, als sie in einem Bus von Kandahar im Süden des Landes auf dem Weg nach Kabul waren. Bei den Entführten handele es sich um 15 Frauen und drei Männer, sagte der Taliban-Sprecher. Möglicherweise hätten die Entführer einen Hinweis auf den Bus erhalten, sagte heute der stellvertretende Polizeichef der Provinz Ghasni, Mohammad Saman. Südkorea hat keine Soldaten in Afghanistan im Einsatz, unterstützt aber den zivilen Aufbau mit Ärzten und Ingenieuren.

hen/AFP/AP/Reuters



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