Afghanistan Taliban-Chefs ergeben sich

Von Taliban-Führer Mullah Mohammad Omar und Osama Bin Laden fehlt zwar noch jede Spur. Aber mehrere ranghohe Mitglieder des gestürzten Regimes haben sich der neuen afghanischen Regierung gestellt.


Kabul - Unter den führenden Taliban-Mitgliedern seien auch drei Minister der gestürzten Regierung, sagte ein Sprecher des Provinz-Gouverneurs von Kandahar, Gul Agha. Es handele sich um Verteidigungsminister Mullah Ubai Dullah, Justizminister Mullah Turabi und Industrieminister Mullah Saadudin.

Omar verstecke sich wahrscheinlich weiter im Norden der Provinz Helmand um die Stadt Baghran, sagte ein Regierungssprecher. Zwar sei die Region sehr unzugänglich, und es werde schwer, ihn rasch zu finden, aber Omar könne nicht entkommen. Tausende Anti-Taliban-Kämpfer suchten nach ihm.

"Wir sind noch nicht fertig"

Die USA gaben unterdessen bekannt, ihre Luftangriffe auf Ziele in Afghanistan fortsetzen zu wollen. Dabei konzentrieren sich die US-Streitkräfte nach Angaben von Pentagon-Sprecher John Stufflebeem jetzt auf Reste der Taliban-Miliz im ganzen Land, nachdem die Suche nach Bin Laden bisher ohne Ergebnis geblieben ist.

Die Luftangriffe in den vergangenen Tagen richteten sich vor allem gegen einen Stützpunkt von Bin Ladens Organisation al-Qaida in Sawar Kili nahe der Stadt Chost. "Wir sind dort noch nicht fertig", sagte Stufflebeem. Was an Zielen gefunden werde, werde angegriffen. Allein am Sonntag flog die US-Luftwaffe 118 Einsätze über Afghanistan, darunter vier Luftangriffe.

Die Durchsuchung des Höhlensystems von Tora Bora in Südostafghanistan wurde unterdessen weitgehend abgeschlossen. Die Militäraktion habe keinen Hinweis auf den Verbleib Bin Ladens erbracht, sagte General Tommy Franks der Nachrichtenagentur AP. Nach dem Abzug der US-Soldaten aus den Höhlen sollen Mitglieder von Spezialeinheiten in der Region bleiben, in den Dörfern Erkenntnisse über den Aufenthalt gesuchter Personen sammeln und Kontakt zu Stammesältesten halten.

Die Soldaten hätten Belege dafür gefunden, dass sich Bin Laden und hochrangige Offiziere der Taliban-Miliz in dem Höhlensystem aufgehalten hätten, sagte Franks. Falls Bin Laden nach Pakistan geflohen sei, werde er dort entweder von pakistanischen Kräften oder von US-Soldaten verfolgt.



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