Afghanistan Taliban drohen Mobilfunkfirmen mit Anschlägen

Die Mobilfunkanbieter in Afghanistan werden von den Taliban erpresst: Die Radikal-Islamisten fordern die Firmen auf, ihre Handysignale in den Rebellenhochburgen während der Nacht abzuschalten. Sie drohen mit Anschlägen, sollte binnen drei Tagen nichts geschehen.

Kandahar - Die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan haben die Mobilfunkanbieter des Landes bezichtigt, mit den Nato-Truppen zusammenzuarbeiten. "Die eindringenden Truppen benutzen Mobiltelefone für militärische Zwecke", sagte ein Taliban-Sprecher. Vor allem nachts werde versucht, die Taliban-Stellungen über Handys mit den mittlerweile im ganzen Land gebauten Funkmasten zu orten.

"Wenn die Firmen ihre Signale nicht zwischen 17 und 3 Uhr stoppen, werden wir ihre Masten zerstören", hieß es in einer von Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Telefon verlesenen Mitteilung der Aufständischen. Den Unternehmen seien drei Tage eingeräumt worden, der Anweisung zu folgen. Andernfalls würden auch die Angestellten und Büros der Firmen ins Visier genommen.

Mudschahid sagte, die US-geführten Koalitionstruppen und die von der Nato kommandierte Internationale Schutztruppe Isaf nutzten Mobilfunksignale, um Aufständische aufzuspüren und anzugreifen. In Afghanistan gibt es mindestens vier Mobilfunkanbieter. Die Branche gilt als eine der lukrativsten in dem kriegsgeplagten Land.

Der Handy-Markt boomt in Afghanistan. Bisher wurden 700 Millionen Dollar (528 Millionen Euro) investiert; mehr als fünf Millionen Afghanen benutzen ein Mobiltelefon. Die Taliban selbst benutzen Handys mittlerweile häufig für ihre Kommunikation.

Präsident Hamid Karsai hielt unterdessen erstmals in seiner Amtszeit eine Kabinettssitzung in der östlichen Provinzhauptstadt Dschalalabad nahe der Grenze zu Pakistan ab. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden in Dschalalabad deshalb drastisch verschärft. Karsai kam dort nach Angaben des Präsidentenpalastes auch mit Stammesvertretern sowie örtlichen Geschäftsleuten zusammen. Sein Einflussbereich ist angesichts des Taliban-Aufstands weitgehend auf die Hauptstadt Kabul begrenzt.

Im Süden Afghanistans wurde nach Isaf-Angaben ein ausländischer Soldat getötet. In unbestätigten Berichten hieß es, bei dem Mann handele es sich um einen Dänen, der in der Provinz Helmand bei einer Schießübung versehentlich getroffen worden sei.

amz/Reuters/dpa

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