Afghanistan Taliban kündigen neue Kämpfe gegen US-Militär an

Donald Trump hat die Verhandlungen mit den Taliban für "tot" erklärt. Die Radikalislamisten antworteten umgehend: Die USA würden diese Entscheidung bald bereuen.

Taliban-Kämpfer in Afghanistan (Archivaufnahme)
AP

Taliban-Kämpfer in Afghanistan (Archivaufnahme)


Die Taliban haben angekündigt, ihren Kampf gegen die US-Streitkräfte in Afghanistan fortzusetzen. Die USA würden ihre Entscheidung, Friedensgespräche abzubrechen, "bald bereuen", sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid der Nachrichtenagentur AFP.

"Wir hatten zwei Möglichkeiten, die Besatzung in Afghanistan zu beenden. Die eine waren Dschihad und Kämpfe, die andere waren Gespräche und Verhandlungen", wird der Sprecher zitiert. Wenn US-Präsident Donald Trump die Gespräche beenden wolle, "werden wir die erste Möglichkeit wählen, und sie werden es bald bereuen", fügte Mudschahid hinzu.

Trump hatte die Gespräche mit den Taliban am Montag für "tot" erklärt. Zuvor hatte er die Verhandlungen am Wochenende kurz vor der möglichen Unterzeichnung eines Friedensabkommens für Afghanistan abgebrochen. Ein nach seinen Angaben für Sonntag geplantes Geheimtreffen mit Taliban-Vertretern in den USA sagte der US-Präsident ab. Als Begründung nannte er einen Taliban-Anschlag Anfang vergangener Woche in Kabul, bei dem mindestens 16 Menschen getötet worden waren, darunter ein US-Soldat.

Bezirk im Norden fällt an Taliban

Zwischen den Taliban und afghanischen Soldaten kam es im Norden Afghanistans erneut zu Gefechten. In der Provinz Takhar sei der Bezirk Jangi Kalah nach zweitägigen Kämpfen an die Radikalislamisten gefallen, erklärten zwei Provinzräte.

Der Großteil des Bezirks sei bereits davor von den Islamisten kontrolliert worden, sagte der Provinzrat Wafiullah Rahmani. Die Regierungskräfte hätten sich aus dem Bezirkszentrum zurückziehen müssen, nachdem trotz einer Zusage aus Kabul keine Verstärkung gekommen war. Die Taliban hätten nun auch den Basar, das Polizeihauptquartier und das Gebäude der Bezirksverwaltung übernommen. Es sei unklar, wie viele Opfer es bei den Kämpfen gegeben habe.

Erst am Wochenende konnten die Taliban den Bezirk Dascht-e Artschi im nördlichen Kunduz erobern. Gleichzeitig erzielten die Regierungskräfte Fortschritte im nordöstlichen Badachschan im Bezirk Wardutsch, der mehr als vier Jahre von den Taliban gehalten wurde. Angriffe der Regierungstruppen liefen auch im Bezirk Jamgan.

als/AFP/dpa

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meinerlei 10.09.2019
1. Langen Atem wagen
Um den Taliban den Boden zu entziehen braucht es einen langen Atem und eine intelligente Kombination von militärischer Präsenz und gesellschaftlich-wirtschaftlicher Entwicklung. Und man muss die wenig kaschierte Unterstützung der Islamisten durch Pakistan so weit wie möglich unterbinden. Beharrlich bleiben und die militärisch-technische Überlegenheit mit intelligenter Politik zu kombinieren wäre jetzt angesagt.
sven2016 10.09.2019
2. Das dauernde Problem der
afghanischen Polizei und Armee ist die politische Vorherrschaft von (ex-)Warlords in den Provinzen, die ihre früheren Truppen in die Sicherheitskräfte umwandeln durften. Deshalb komm nur selten Backup aus anderen Regionen oder der Hauptstadt. Jeder kämpft meist alleine um seine Gebiete. Mit Talibangruppen außerhalb des Landes zu verhandeln, dürfte aussichtslos sein. Lokale Absprachen haben in der Vergangenheit Ergebnisse gebracht, zumindest zeitweise.
michidharky 10.09.2019
3.
Wenn man Friedensverhandlungen nicht führen kann oder will muss man kämpfen. Aber wenn dann richtig. Das ist grausam und schmutzig aber nur so gewinnt man Kriege. Dafür muss man aber auch bereit sein die eigenen Soldaten zu opfern. Die Taliban sind dazu bereit, der Westen nicht. Daher gibt es eigentlich nur eine Lösung: Abziehen und die Afghanen ihren Krieg führen lassen.
turiman 10.09.2019
4. Naivität a la Trump
Trump hat doch tatsächlich gedacht mit diesen zu allem entschlossenen fanatischen Verbrechen von Taliban, Al Quida oder IS irgendein Friedensabkommen schließen zu können. Gut vorstellbar ist auch das nicht Trump das Treffen gecancelt hat sondern die Taliban weil sie nicht als Motiv für ihn als Friedenstifter fungieren wollten, Trump wiederum wollte nicht nach Afghanistan weil er natürlich viel zu große Angst hat, Chrissy Teigen hat ihn ja gerade für seine Feigheit als Pussy Ass Bitch bezeichnet. Merkwürdig ist auch das er mit diesen Verbrechnern bereit ist eine Vertag zu unterschreiben aber den von Obama ausgehandelten Vertrag mit Iran rückgängig zu machen
Beat Adler 10.09.2019
5. Shimon Peres: Frieden wird mit FEINDEN geschlossen.
Shimon Peres: Frieden wird mit FEINDEN geschlossen. Wer die Taliban als Feind bezeichnet, und mit ihnen einen stabilen Frieden haben will, muss sich entsprechend verhalten, auf die Verhandlungen vorbereiten, neutrale Vermittler einbeziehen, alle Betroffenen ebenfalls mit einbeziehen. All das war bei den Verhandlungen USA - Taliban in Doha, Qatar, NICHT der Fall: Die demokratisch gewaehlte Regierung Afghanistans war erst gar nicht dabei! Die Einwohner Afghanistans, vertreten im demokratisch gewaehlten Parlament, wurden auch nicht gefragt. Der Riss in Afghanistan geht durch die Bevoelkerung: Auf der einen Seite die Paschtunen, die den Taliban zuneigen und gleichzeitig in traditionellen Stammesgesellschaften leben und auf der anderen Seite die modernen Afghanen in den staedtischen Agglomerationen, die gegen die Taliban und ihren Kalifatstaat sind. Deswegen gruenden die Taliban nie eine politische Partei, um an Wahlen Teil zu nehmen, von denen sie vorher schon wissen, haushoch zu verleren. Niemand der modernen Afghanen erlaubt erneut ein oeffentliches Auspeitschen von Frauen wegen dem Auflegen von Make Up! Ein Verbot von Musik und Tanz, etc. usw. Die Taliban halten sich an Mao Tse Tung, wie auch die libyschen Islamisten, welche keinen einzigen Sitz bei den 2012 Wahlen erobern konnnten: Die Macht kommt aus den Gewehrlaeufen. Demokratie wurde vom Satan erfunden. Ein Friedensschluss ist in weiter Ferne. Leider! Ein Besiegen der Taliban mit militaerischer Gewalt geht nur nach der Putin-Tschetschenienstrategie "erfolgreich" in Homs, Aleppo etc. angewendet. mfG Beat
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