Afghanistan Taliban-Minister fordert Bush und Blair zum Duell

Während die USA ihr Bombardement fortsetzen, kam vom Außenminister der Taliban ein eigenwilliger Vorschlag. Um die amerikanische Behauptung zu widerlegen, Taliban-Chef Mohammed Omar verkrieche sich, forderte er angeblich George W. Bush und Tony Blair zum Duell mit dem Mullah heraus.

Teheran/Washington/Islambad - "Die Amerikaner unterstellen unserem Führer Mullah Mohammed Omar, sich verkrochen zu haben. Daher schlagen wir vor, dass die Herren Bush und Blair sich mit Kalaschnikow-Gewehren zu einem bestimmten Ort begeben, um zu sehen, wer von ihnen dann weglaufen wird", sagte Wakil Ahmad Mutawakil nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna in einer Pressekonferenz in der südafghanischen Stadt Kandahar.

"Der Mullah Omar wechselt seinen Standort aus Sicherheitsgründen, sonst verwaltet er die Staatsangelegenheiten souverän wie immer", sagte Mutawakil weiter. Der Außenminister dementierte erneut Berichte, er beabsichtige, sich nach Pakistan abzusetzen. Es gebe auch keine Differenzen innerhalb der Taliban. "Dieses Wunschdenken wird sich nie verwirklichen, und alle Bemühungen, die Taliban in einer Krise darzustellen, sind nutzlos", sagte der Außenminister.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verteidigte unterdessen erneut die Luftangriffe auf Afghanistan. Es habe noch nie zuvor so präzise und wirkungsvolle Bombardements gegeben. Afghanistan sei jedoch nur der Anfang. "Das Problem geht über Afghanistan hinaus. Wir werden Terroristen-Netzwerke verfolgen, wo immer wir sie finden", sagte Rumsfeld am Montag bei einem Besuch in Indien.

Zehn afghanische Provinzen bombardiert

US-Kampfflugzeuge bombardierten nach Meldungen der in Pakistan ansässigen privaten afghanischen Nachrichtenagentur AIP am Montag Ziele in zehn der 30 afghanischen Provinzen. Dabei habe es "schwere Menschenverluste" gegeben, deren genaue Zahl aber unbekannt sei. Unter Berufung auf unbekannte Quellen meldete AIP: "Heute waren die amerikanischen Bombardierungen intensiv und betrafen weite Gebiete." Unter den bombardierten Zielen waren auch wieder Frontabschnitte nördlich der Hauptstadt Kabul.

Die Agentur berichtet zum Teil unter Berufung auf eigene Quellen von 15 toten Zivilisten in der Provinz Balkh, sechs zivilen Todesopfern in der Nähe von Masar-i-Scharif, als ein Haus getroffen wurde, und einem Bombentreffer in einem Leichenzug in einem Dorf in der Provinz Balkh, bei dem die Zahl der Opfer unbekannt sei. In Kabul sind laut AIP drei Menschen durch die Bombardierungen getötet und mehrere verletzt worden. Vorher hatte die Agentur von insgesamt elf Toten am Vormittag in ganz Afghanistan berichtet. Es gab keine Bestätigung dieser Zahlen von anderen Quellen.

"Wir konnten uns jeden Tag verbessern. Ich glaube nicht, dass es zuvor Bombardements gegeben hat, die so präzise oder militärisch wirksam waren wie diese", sagte Rumsfeld. Allerdings hatte es zuletzt immer wieder Berichte gegeben, wonach US-Bomben Rot-Kreuz-Einrichtungen, Krankenhäuser und andere zivile Einrichtungen getroffen haben.

Washington stellt seine Afghanistan-Kriegsstrategie jetzt offenbar stärker auf die Nordallianz ab. Zunächst ging es nach Angaben von Experten vor allem darum, Luftabwehr, Nachschub und Kommunikation der Taliban möglichst weitgehend lahm zu legen. Mit der massiven Bombenoffensive solle nun versucht werden, vor Beginn des Winters den Oppositionskräften durch eine Kombination von Luftangriffen und Spezial-Bodenkommandos den Weg nach Masar-i-Scharif und dann Kabul zu ebnen. Ein Talibanvertreter in Teheran sagte, die Taliban richteten sich auf einen langen Krieg ein und hätten genug Waffen "für 25 Jahre".

Nach Angaben von US-Generalstabschefs Richard Myers haben die USA ihre Spezialkommandos in Afghanistan inzwischen deutlich erhöht. Ihre Zahl wird auch nach Erkenntnissen von Militärs im benachbarten Tadschikistan "erheblich verstärkt". "Schon in den nächsten Tagen soll das amerikanische Militärkontingent in Afghanistan auf 400 Mann ansteigen", sagte ein namentlich nicht genannter Militärexperte der Nachrichtenagentur Interfax.

Auch Italien stellt Soldaten für den Anti-Terror-Kampf bereit, wie Außenminister Renato Ruggiero am Montag ankündigte, ohne Einzelheiten zu nennen. Italienische Medien berichteten, unter anderem handele es sich um ein Panzerregiment, Marineeinheiten, Kampfflugzeuge und Spezialisten für biologisch-chemische Kriegsführung.

Bei den schweren Bombardements der US-Luftwaffe kamen nach Meldungen von AIP mindestens elf Menschen ums Leben. Unter anderem wurden der Flughafen von Herat, der Sitz des 11. Bataillons und andere militärische Einrichtungen bombardiert. Über Kabul hätten US-Kampfhubschrauber mehrere Einsätze geflogen, wobei militärische Stützpunkte im südlichen Stadtteil und im Umfeld des Flughafens beschossen worden seien. Auch Kandahar, die Hochburg der Taliban-Miliz, sei erneut unter schweren Beschuss geraten.

In Kabul bombardierten die Amerikaner ein Hotel, in dem sich Taliban-Kämpfer aufhielten. Wie al-Dschasira unter Berufung auf Augenzeugen berichtete, gab es dabei mehrere Tote. Die Taliban sprachen nur von mehreren Verletzten. Nach Berichten der pakistanischen Zeitung "Dawn" warfen US-Flugzeuge auch Bomben auf drei große unterirdische Waffendepots der Taliban in der Provinz Paktia an der Grenze zu Pakistan.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan wies Vorstellungen über ein Uno- Protektorat für Afghanistan entschieden zurück. "Die Uno können die Bildung einer Regierung in Afghanistan technisch unterstützen, sie können jedoch nicht eine afghanische Regierung ersetzen", sagte er der Tageszeitung "Le Figaro" in Paris.

Ex-Geheimdienstchef: Bin Laden kaum zu fassen

Die USA werden nach Ansicht des Ex-Geheimdienstchefs von Pakistan, Asad Durrani, den Islamisten Osama Bin Laden wahrscheinlich nicht fassen, falls er sich in den unwegsamen Bergen Afghanistans versteckt hält. Durrani sagte, es gebe nur geringe Chancen, Verstecke in Afghanistan aufzuspüren und einen Gesuchten zu fassen. Gleichwohl sei es mit Glück möglich. Zudem vermute er, dass sich Afghanen, die den herrschenden Taliban nicht gewogen seien, unter dem Eindruck des US-Beschusses mit den radikalen Islamisten solidarisieren könnten.

General a. D. Durrani war von 1990 bis 1992 pakistanischer Geheimdienstchef und vertritt sein Land mittlerweile als Botschafter in Saudi-Arabien.

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