Afghanistan Taliban töten neun US-Soldaten

Die schwersten Verluste von US-Truppen in
Afghanistan seit drei Jahren: Bei einem Überfall der Taliban auf einen US-Militärstützpunkt im Nordosten des Landes sind am Sonntag neun amerikanische Soldaten getötet und 15 weitere verletzt worden.


Kandahar - Der Angriff auf den Stützpunkt im Grenzgebiet zu Pakistan begann am frühen Morgen, die Gefechte dauerten den Tag über an. Die Extremisten feuerten vom Dorf Wanat in der Provinz Kunar aus mit Maschinengewehren, Panzerabwehrraketen und Mörsergranaten auf den Außenposten, wie die NATO-Schutztruppe ISAF mitteilte. Dabei seien auch vier afghanische Soldaten verwundet worden. Es sei außerdem davon auszugehen, dass die Angreifer schwere Verluste zu verzeichnen hätten.

Zur Nationalität der getöteten Soldaten wollte die NATO zunächst keine Angaben machen. Aus westlichen Militärkreisen verlautete aber, es handle sich um Amerikaner.

Ein neuerlicher Selbstmordanschlag erschüttert die Menschen in Südafghanistan. Mindestens 24 Menschen starben bei dem Blutbad auf einem Marktplatz in der Provinz Urusgan. Unter den Opfern des Anschlags in Deh Rawood rund 400 Kilometer südwestlich von Kabul waren nach Angaben des Polizeichefs der Provinz Urusgan, Dschuma Gul Hemat, mindestens 19 Zivilisten sowie fünf Polizisten. Zudem lägen 30 Verwundete im Krankenhaus. Die Mehrzahl der Opfer seien Händler und Kinder gewesen, die etwas auf der Straße verkauften, sagte ein Augenzeuge nach dem Anschlag. "Alles schwamm in Blut."

Nach Polizeiangaben rammte der Attentäter am Sonntag mit einem dreirädrigen Motorrad ein Polizeifahrzeug und sprengte sich dann in die Luft. Urusgan gilt als Hochburg der radikal-islamischen Taliban.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. In der Vergangenheit verübten die Taliban aber ähnliche Anschläge. Präsident Hamid Karzai verurteilte den Anschlag und schrieb ihn "Feinden Afghanistans" zu.

Bereits am vergangenen Montag waren bei einem Selbstmordattentat vor der indischen Botschaft in Kabul mehr als 40 Menschen getötet worden. Es war der blutigste Anschlag in der Hauptstadt seit dem Sturz der Taliban 2001.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich seit Jahresbeginn zunehmend verschlechtert. 124 ausländische Soldaten und rund 700 Zivilisten kamen seitdem ums Leben. Die USA erwägen deshalb laut einem Pressebericht, ihre Truppen in den Land zu verstärken und dafür Streitkräfte aus dem Irak abzuziehen.

Die Truppen in Südafghanistan meldeten am Sonntag, sie hätten bei Gefechten mindestens 40 Aufständische getötet. Die Kämpfe in der Provinz Helmand hätten sich über zwei Tage hingezogen. Zuvor seien Patrouillen der Soldaten aus verborgenen, befestigten Stellungen beschossen worden. Die Streitkräfte hätten daraufhin Luftangriffe geflogen. Mehrere Brücken und 30 Boote der Aufständischen auf dem Fluss Helmand seien zerstört worden.

cjp/AP/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.