Afghanistan Tausende Delegierte zur Loja Dschirga in Kabul eingetroffen

In Afghanistan sucht eine Große Ratsversammlung nach einem Weg zum Frieden in dem seit 18 Jahren andauernden Krieg. Die radikalislamischen Taliban lehnen die Loja Dschirga ab, die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch.

Armeecheckpoint am Stadtrand von Kabul vor der Großen Ratsversammlung
AP

Armeecheckpoint am Stadtrand von Kabul vor der Großen Ratsversammlung


Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat in der afghanischen Hauptstadt Kabul die Große Ratsversammlung begonnen.

Mehr als 2500 Delegierte aus dem ganzen Land sprechen vier Tage lang über Wege zu Frieden mit den radikalislamischen Taliban. Sie wollen einen Fahrplan zu Friedensgesprächen und die roten Linien für mögliche Verhandlungen mit den Aufständischen bestimmen.

Allerdings boykottierten mehrere namhafte Politiker und Präsidentschaftskandidaten die Veranstaltung, darunter der Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah. Sie hatten sich von der Entscheidung über eine Abhaltung der Dschirga ausgeschlossen gefühlt oder die Veranstaltung als Zeit- und Geldverschwendung kritisiert, die lediglich dem Wahlkampf des amtierenden Präsidenten Aschraf Ghani diene.

Organisator der Dschirga dankt den Taliban

Ghani stellt sich im September seiner Wiederwahl. Mit der Konferenz will er ein Zeichen der Einigkeit setzen, denn das Land ist tief gespalten: Afghanistans Nationalarmee kontrolliert lediglich rund die Hälfte des Staatsgebiets, weite Teile sind umkämpft oder vollends unter der Hoheit der Taliban (siehe Karte).

DER SPIEGEL

Die Taliban lehnten die Loja Dschirga ab. Sie hatten am Sonntag erklärt, die Versammlung sei lediglich eine "Show der Handlanger der USA" in Afghanistan. Der Cheforganisator der Konferenz, Mohammed Omar Daudsai, dankte den Taliban in der Eröffnungsrede, dass sie den Teilnehmern erlaubten, nach Kabul zu reisen.

In Kabul waren in den vergangenen Tagen Dutzende zusätzliche Kontrollposten und Straßensperren errichtet worden. Frühere Große Ratsversammlungen waren mit Raketen angegriffen worden.

Loja Dschirgas werden in Afghanistan regelmäßig einberufen, wenn große nationale Fragen geklärt werden sollen. Seit dem Fall der Taliban im Jahr 2001 wurden fünf Große Ratsversammlungen abgehalten, zuletzt 2013 zur Frage, ob ein Sicherheitsabkommen mit den USA unterzeichnet werden soll. Ergebnisse einer beratenden Loja Dschirga sind für den Präsidenten nicht bindend.

cht/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.